Wer Nebius in den letzten Quartalen beobachtet hat, wusste: Das Unternehmen wächst schnell, verbrennt Kapital in Rechenzentren und wettet darauf, dass die Nachfrage nach High-End-AI-Compute das Angebot auf absehbare Zeit übersteigt. Q2-2026 hat diese Wette vorerst bestätigt.
Der Quartalsumsatz lag bei 582,3 Mio. USD — ein Plus von 454 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum und knapp über der Analystenschätzung von 572,75 Mio. USD. Wichtiger als die Topline war das positive adjusted EBITDA: Es entkräftet zumindest vorübergehend die Sorge, dass Nebius’ Investitionstempo die Kundenbasis dauerhaft überrollt. Die Aktie reagierte nach den Zahlen mit einem Sprung von rund 34 %, der heutige Tagesgewinn von knapp 4 % ist das Nachglühen dieser Bewegung.
Flankiert wurden die Zahlen durch einen mehrjährigen Cloud-Vertrag mit Reflection AI über mehr als 1 Mrd. USD bis 2029. Das verbessert die Umsatzsichtbarkeit erheblich — und ist genau die Art von Ankerkunde, die Investoren bei einem kapitalintensiven Infrastrukturanbieter sehen wollen. Zusätzlich nahm Nebius in seinem finnischen Rechenzentrum ein Vera-Rubin-Compute-Rack in Betrieb, was den Ausbau der GPU-Kapazität konkret macht.
Goldman Sachs wurde als unterstützender Faktor im Vorfeld der Zahlen genannt, ohne dass ein konkretes Kursziel kommuniziert wurde. Der breitere AI-Infrastruktursektor profitiert zudem von anhaltend hohen Capex-Ankündigungen der Hyperscaler — Nebius sitzt damit auf der richtigen Seite eines Trends, den Microsoft, Google und Amazon selbst befeuern.
Die offene Frage bleibt die Bewertung. Nach dem 34-%-Sprung und dem heutigen Nachzügler-Anstieg ist viel Wachstum bereits eingepreist. Nebius ist kein günstiger Name — und ein Abriss der AI-Capex-Zyklen würde das Modell empfindlich treffen. Vorerst aber liefert das Unternehmen, was es versprochen hat.
