Wenn ein Discounter im zweiten Quartal ein zweistelliges Vergleichsfilialwachstum meldet, ist das kein Zufall. Ross Stores hat für Q2 einen Umsatz von 6,3 Mrd. USD ausgewiesen, 13 % mehr als im Vorjahreszeitraum, und das EPS kletterte von 1,56 USD auf 2,66 USD. Dazu kommt ein Nettogewinn von 851,3 Mio. USD — Zahlen, die den Konsens klar übertreffen.
Zwei Faktoren erklären die Stärke: höhere Kundenfrequenz und ein Zollrückerstattungseffekt, der die Margen im Quartal zusätzlich gestützt hat. Letzteres ist ein Einmaleffekt, den das Management selbst als solchen einordnet — was die Frage aufwirft, wie nachhaltig die Marge in den Folgeperioden bleibt, wenn dieser Puffer wegfällt.
Das Management hat die Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben. Vorbörslich reagierte die Aktie mit einem Anstieg von über 8 %, im regulären Handel blieb ein Plus von knapp 5 % übrig. Kein ungewöhnliches Muster: Earnings-Gaps werden oft teilweise wieder eingeengt, wenn der erste Enthusiasmus abkühlt.
Analysten bleiben konstruktiv. Barclays nennt ein Kursziel von 260 USD, Goldman Sachs 270 USD, der Konsens liegt bei „Moderate Buy”. TradingKey führt ein Ziel von 254,87 USD. Wer heute kauft, zahlt also bereits nah an den mittleren Konsenszielen — die Upside ist eingepreist, nicht verschenkt.
Der breitere Kontext hilft Ross: Preisbewusste Konsumenten weichen weiter auf Off-Price-Formate aus, und das Unternehmen profitiert strukturell von diesem Verhalten. Ob das 10-%-Comparable-Wachstum ein Ausreißer oder ein neues Niveau ist, wird sich spätestens im dritten Quartal zeigen.
