
Goldman Sachs berichtet am Dienstag, 13. Oktober 2026, vor Börsenbeginn seine Zahlen für das dritte Quartal. Das Timing ist nicht ohne Ironie: Die Aktie hat seit ihrem Juli-Hoch mehr als 20 % verloren, zehn von zwölf Wochen mit negativen Wochenrenditen abgeschlossen — und das ausgerechnet vor einem Quartal, in dem Goldman als einer der größten Profiteure des Wall-Street-Handels gelten soll.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt bei 12,90 USD EPS, was einem Anstieg von rund 5 bis 6 % gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Beim Umsatz erwarten Analysten etwa 16,7 bis 16,8 Mrd. USD, also rund 10 bis 11 % mehr als im dritten Quartal 2025. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal 2026 hatte Goldman 20,98 USD EPS und 20,34 Mrd. USD Umsatz gemeldet — die Latte liegt also deutlich tiefer, was das Übertreffen erleichtern sollte.
Auffällig ist der sogenannte SmartEstimate von rund 12,80 USD, der leicht unter dem breiteren Konsens von 13,02 USD liegt. Und in den vergangenen 30 Tagen gab es laut IG 17 negative EPS-Revisionen bei null positiven Anpassungen. Das ist kein Rauschen, sondern ein klares Signal, dass Analysten ihre Erwartungen systematisch zurückgeschraubt haben.
Bewertungskontext
Evercore ISI hat sein Kursziel zuletzt von 1.210 auf 1.000 USD gesenkt, behält aber eine positive Einstufung. TD Cowen dagegen hat Goldman auf Strong Buy hochgestuft. Der aggregierte Konsenskurs liegt bei etwa 1.055 USD. Das Bild ist also gespalten: Kursziele fallen, Ratings bleiben überwiegend konstruktiv. Wer das als Widerspruch liest, liegt nicht falsch.
Was Anleger beachten sollten
Der FICC- und Aktienhandel ist der entscheidende Ergebnistreiber. Goldman wird als potenziell führender Beitragender zu den geschätzten Wall-Street-Handelserträgen von rund 19 Mrd. USD im dritten Quartal gesehen. Wenn diese Erwartung aufgeht, ist das Fundament für ein solides Quartal gelegt.
Gleichzeitig hat Citi Goldman im globalen IPO-Ranking überholt — ein Detail, das Fragen zur Wettbewerbsposition im Investmentbanking aufwirft. Anleger werden genau prüfen, ob die Gebühren aus Fusionen, Übernahmen und Anleiheemissionen mit den Handelserlösen Schritt halten oder ob das Umsatzwachstum fast ausschließlich aus dem volatilen Handelsgeschäft stammt.
Auf der Kostenseite ist die operative Hebelwirkung das zentrale Thema: Steigende Erträge helfen wenig, wenn Vergütungs- und Betriebskosten überproportional mitziehen. Und schließlich wird der Ausblick auf das vierte Quartal mindestens so viel Gewicht haben wie die reinen Q3-Zahlen — nach dem außergewöhnlich starken zweiten Quartal will der Markt wissen, ob das Management die Dynamik als nachhaltig einschätzt oder als Ausreißer.
der aktien.live-Redaktion
Die Erwartungslatte liegt tief: 17 Abwärtsrevisionen in 30 Tagen haben den EPS-Konsens auf 12,90 USD gedrückt. Das erleichtert ein Übertreffen. Das strukturelle Problem bleibt aber bestehen: Das erwartete Umsatzwachstum von 10 bis 11 % hängt fast vollständig am volatilen Handelsgeschäft. Dazu hat Citi Goldman im globalen IPO-Ranking überholt — kein Zufall, sondern ein Warnsignal für das Investmentbanking. Der Ausblick wird mehr zählen als die Q3-Zahlen selbst.
Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.
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