Zum Inhalt springen
Alle Nachrichten
Q-Bericht
2 min

257 Mio. Dollar Umsatz erwartet — aber Neutron entscheidet, ob der Kurs steigt oder fällt

Der EPS-Konsens von −0,05 USD ist fast Nebensache: Beim Q3-Bericht von Rocket Lab dreht sich alles um den Neutron-Zeitplan und darum, ob das Management den Investoren nach der Verschiebung auf 2027 noch etwas Glaubwürdiges anbieten kann.

Rocket Lab USA (RKLB) legt am 9. November nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das dritte Quartal 2026 vor. Der Markt erwartet einen Umsatz von rund 257 Mio. US-Dollar, was innerhalb der eigenen Unternehmensprognose von 250 bis 265 Mio. US-Dollar liegt. Beim Gewinn je Aktie rechnet der Konsens mit etwa −0,05 USD, je nach Datenanbieter schwanken die Schätzungen zwischen −0,066 und −0,02 USD. Profitabel ist Rocket Lab damit weiterhin nicht.

Analystenerwartungen

Der Umsatzkonsens von 257,2 Mio. USD entspräche einem deutlichen Wachstum gegenüber dem Vorjahresquartal. Einzelne Schätzungen gehen sogar bis 260,3 Mio. USD. Für das Gesamtjahr 2026 liegen die Konsensschätzungen bei rund 952 bis 959 Mio. USD — auch das bei negativem Jahres-EPS. Das Unternehmen wächst also, verbrennt aber weiter Kapital. Wie viel davon auf Neutron-Entwicklungskosten entfällt, wird einer der zentralen Punkte im Earnings-Call sein.

Bewertungskontext

Ein klassisches KGV lässt sich bei negativen Ergebnissen nicht sinnvoll ansetzen. Die Aktie wird stattdessen auf Basis von Umsatzmultiplikatoren und der langfristigen Wachstumsthese bewertet — beides setzt voraus, dass Neutron irgendwann fliegt und skaliert. Nach der Ankündigung der Verschiebung auf 2027 hat der Kurs spürbar nachgegeben. Wie weit er sich vom 52-Wochen-Hoch entfernt hat, hängt vom Zeitpunkt der Messung ab, aber die Richtung war eindeutig abwärts. Die Marktkapitalisierung bewegt sich im Bereich mehrerer Milliarden Dollar — für ein Unternehmen, das noch keinen Gewinn schreibt, ist das eine ambitionierte Bewertung, die auf Ausführung angewiesen ist.

Was Anleger beachten sollten

Der eigentliche Stresstest am 9. November ist nicht die EPS-Zahl, sondern der Ausblick. Vier Punkte sind entscheidend:

  • Neutron-Status: Die Verschiebung auf 2027 hat Vertrauen gekostet. Anleger wollen wissen, ob der neue Termin hält — und was es kostet, ihn zu halten. Neutron-Komponenten wurden zuletzt zur Startanlage in Virginia transportiert, was als Fortschritt gewertet wurde, aber noch kein Testflug ist.
  • Margen und Cash-Burn: Wächst der Umsatz, aber schrumpfen die Bruttomargen wegen steigender F&E-Kosten, ist das kein gutes Zeichen. Der operative Verlust und der Barmittelverbrauch sind die eigentlichen Profitabilitätsindikatoren.
  • Auftragsbestand: Rocket Lab hat zuletzt mehrere Electron-Missionen erfolgreich absolviert, darunter die 99. Electron-Mission mit einem iQPS-Erdbeobachtungssatelliten sowie eine HawkEye-360-Mission mit drei Satelliten. Wie sich das in neue Verträge übersetzt, ist offen.
  • Liquidität: Bei anhaltenden Verlusten und hohem Investitionsbedarf für Neutron ist die Frage nach dem Finanzierungsbedarf nicht akademisch. Weitere Kapitalmaßnahmen würden verwässern.

Der Widerspruch ist offensichtlich: Das operative Kerngeschäft mit Electron läuft, die Startfrequenz steigt, der Umsatz wächst — und trotzdem hängt die Bewertung fast vollständig an einem Rakete, die noch nicht geflogen ist. Wer das für fair hält, braucht am Montag vor allem eine überzeugende Geschichte vom Management.

Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
— Team Sesselmann

Rocket Lab wächst operativ solide — der Umsatzkonsens von 257 Mio. USD liegt komfortabel in der eigenen Prognose. Die Marktkapitalisierung von 33,5 Mrd. EUR setzt aber fast vollständig auf eine Rakete, die noch nicht geflogen ist. Der EPS-Wert von −0,05 USD ist dabei fast Nebensache. Entscheidend wird sein, ob das Management beim Neutron-Zeitplan und beim Cash-Burn Kontrolle demonstriert — die jüngsten Insider-Verkäufe mehrerer Führungskräfte trüben das Bild zusätzlich.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

Sonntags, ein Brief.
Kurz. Klar. Kostenlos.

Jeden Sonntagmorgen in Ihrem Postfach: die wichtigsten Fundamentalanalysen der Woche, die drei Quartalszahlen, die Sie nicht verpasst haben, und die Einschätzung zum Markt. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Herausgeber: EIN Sesselmann AG. Hiermit melde ich mich zum wöchentlichen Newsletter an. Sie können sich jederzeit über einen Link am Ende jedes Newsletters abmelden. Hinweis zum Datenschutz