
Überblick
RTX Corporation berichtet am 20. Oktober 2026 vor Handelsbeginn über das dritte Quartal. Der Konzern — Collins Aerospace, Pratt & Whitney und Raytheon unter einem Dach — ist seit Monaten operativ in Bewegung: wachsender Verteidigungsbacklog, starkes Aftermarket-Geschäft, aber anhaltende Belastungen aus dem Pulvermetallproblem bei Pratt & Whitney. Genau diese Kombination macht den Bericht interessant.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt bei 1,78 USD bereinigtem EPS, nach 1,70 USD im Vorjahresquartal — ein Anstieg von rund 4,7 %. Beim Umsatz erwarten Analysten zwischen 24,01 und 24,11 Mrd. USD, was gegenüber den 22,48 Mrd. USD aus Q3 2025 einem Wachstum von etwa 7,3 % entspräche. Die Schätzungsbandbreite beim EPS reicht von 1,69 bis 1,84 USD, beim Umsatz von 23,49 bis 24,56 Mrd. USD — also durchaus Spielraum nach oben wie unten.
Zum Vergleich: Im zweiten Quartal 2026 erzielte RTX 1,89 USD EPS bei 24,71 Mrd. USD Umsatz und übertraf damit die damaligen Erwartungen. Q3 liegt saisonal typischerweise darunter, der Rückgang gegenüber Q2 ist also keine Überraschung.
Zacks weist einen positiven Earnings-ESP von +0,70 % aus, was auf eine leichte Tendenz zu einem Beat hindeutet. Das Management hat die bereinigte EPS-Prognose für das Gesamtjahr 2026 bereits auf 7,10 bis 7,25 USD angehoben; der Analystendurchschnitt liegt bei 7,22 USD.
Bewertungskontext
RTX wird aktuell mit einem KGV von rund 34 gehandelt. Das ist für einen Aerospace-&-Defense-Titel ambitioniert — und bedeutet, dass der Markt bereits einiges an Wachstum einpreist. Der Analystenkonsens lautet „Moderate Buy” mit einem durchschnittlichen Kursziel von 228,58 USD. Wer bei dieser Bewertung kauft, wettet nicht auf ein solides Quartal, sondern auf eine Prognoseerhöhung oder eine Cashflow-Überraschung.
Was Anleger beachten sollten
Der Auftragsbestand von 289 Mrd. USD — 170 Mrd. kommerziell, 119 Mrd. Verteidigung — ist strukturell stark. Mitte Oktober sicherte sich RTX zudem einen potenziell bis zu 8 Mrd. USD schweren Vertrag der US Air Force zur Modernisierung strategischer Kommunikationssysteme, der bis 2036 läuft. Collins Aerospace weitete gleichzeitig einen Wartungsvertrag mit Vietjet auf 44 weitere A320neo-Flugzeuge aus. Das Nachrichtenbild ist positiv.
Der Knackpunkt bleibt Pratt & Whitney. Das Pulvermetallproblem belastet den Cashflow 2026 mit rund 700 Mio. USD — durch Kundengutschriften und verzögerte Partnererstattungen. Der kommerzielle Aftermarket wuchs zuletzt um 25 %, der Erstausrüstungsumsatz fiel dagegen um 8 %. Solange der Aftermarket diese Lücke schließt, ist das handhabbar. Kippt das Verhältnis, wird es ungemütlich.
Anleger sollten drei Dinge im Blick behalten: erstens den freien Cashflow und wie viel vom Pratt-&-Whitney-Belastungspfad bereits abgearbeitet ist; zweitens das Book-to-Bill im Verteidigungsbereich, wo Lieferengpässe bei Triebwerken und Komponenten zunehmend diskutiert werden; drittens die Frage, ob das Management die Jahresprognose bestätigt oder anhebt. Bei einem KGV von 34 ist eine Bestätigung ohne Erhöhung vermutlich schon eingepreist.
der aktien.live-Redaktion
RTX überzeugt operativ: 289 Mrd. USD Auftragsbestand und 25 % Wachstum im margenstarken Aftermarket sind echte Substanz. Das KGV von 34 lässt kaum Spielraum für Enttäuschungen. Der Markt preist Wachstum ein, das erst noch geliefert werden muss. Die rund 700 Mio. USD Cashflow-Belastung aus dem Pulvermetallproblem drückt weiter — eine Prognoseanhebung beim Jahresausblick wäre das stärkste Signal.
Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.
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