Am 2. September berichtet Broadcom nachbörslich seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal 2026. Auf dem Papier klingt die Ausgangslage gut: Der Analystenkonsens liegt bei einem Non-GAAP EPS von 2,83 USD, nach 2,44 USD im Vorquartal. Der Umsatz soll laut eigener Guidance bei rund 29,4 Mrd. USD landen — ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Davon sollen allein 16 Mrd. USD aus dem AI-Semiconductor-Geschäft kommen, mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr.
Analystenerwartungen
Die Konsensschätzung von 2,83 USD EPS liegt konsistent über dem Vorquartal und passt zur Jahresprognose von rund 10,24 USD. Wer die Zahlen aus Q2 kennt — 22,19 Mrd. USD Umsatz, 2,44 USD EPS, leicht über Konsens — sieht, dass Broadcom zuletzt lieferte. Die operative Marge soll bei rund 67 Prozent bleiben, trotz der massiv gestiegenen Kapitalintensität im AI-Segment. Ein kleiner Beat beim EPS wird den Kurs kaum bewegen. Was zählt, ist die AI-Umsatzzahl und die Guidance für das Folgequartal.
Bewertungskontext
Das KGV liegt deutlich über 60, was für einen Halbleiterwert selbst im AI-Zyklus ambitioniert ist. Die Aktie notiert aktuell zwischen 12 und 25 Prozent unter ihrem Jahreshoch, nachdem sie an einzelnen Handelstagen um 3,2 bis 6,2 Prozent nachgab. Hedgefonds wie Third Point haben ihre Positionen im zweiten Quartal vollständig abgebaut. Gleichzeitig haben 36 Analysten ein Strong-Buy-Rating, 7 ein Buy, kein einziger eine Verkaufsempfehlung. BNP Paribas Exane sieht ein Kursziel von 675 USD. Der Widerspruch ist offensichtlich: Die Aktie wird verkauft, während die Analysten kaufen.
Was Anleger beachten sollten
Das zentrale Thema vor den Zahlen ist nicht das EPS, sondern die Schulden. Reuters berichtete, dass Broadcom über mehr als 60 Mrd. USD neue Verschuldung verhandelt, um AI-Chip-Deals zu finanzieren — potenziell sogar bis zu 100 Mrd. USD. Bank of America hat das Kreditrisiko bereits als Grund für eine Neubewertung genannt, die Aktie fiel daraufhin Richtung 400 USD. Auf dem Earnings-Call werden Anleger konkrete Antworten zur Schuldenstruktur erwarten: Laufzeiten, Covenants, und ob langfristige Abnahmeverträge mit Hyperscalern als Sicherheit dienen.
Hinzu kommt die Wettbewerbsfrage. Google weitet seine Zusammenarbeit mit Marvell Technology bei AI-Beschleunigern aus — eine Nachricht, die Broadcoms Aktie zuletzt 6,2 Prozent kostete. Wie abhängig Broadcom von einzelnen Cloud-Kunden ist und ob die Roadmap-Zusagen der Hyperscaler stabil bleiben, wird Hock Tan auf dem Call adressieren müssen.
Das Software-Segment, inklusive VMware, bleibt der ruhigere Teil der Geschichte. Hohe Margen, stabiles Wachstum, neue Produktankündigungen im August. Es ist das Gegengewicht zur kapitalintensiven AI-Expansion — und Analysten werden genau prüfen, ob dieser Puffer intakt bleibt, während Broadcom auf der Hardwareseite immer größere Wetten eingeht.
