Wer Oracle heute kauft, kauft eine Aktie, die in einem Monat bereits 39 Prozent gestiegen ist. Das ist kein Widerspruch zur bullischen Analystenstimmung — aber es ist ein Kontext, den man nicht ignorieren sollte.
Wedbush-Analyst Dan Ives, bekannt für großzügige Tech-Kursziele, sieht trotz wachsender Bedenken rund um KI-Infrastrukturschulden rund 40 Prozent Aufwärtspotenzial für Oracle. Der Konsens von 55 Analysten liegt beim Durchschnittsziel von 267,76 USD, was vom aktuellen Kurs von rund 189,76 USD aus gerechnet ebenfalls gut 41 Prozent wären. Das klingt komfortabel — bis man bemerkt, dass die Aktie allein im letzten Monat bereits 39 Prozent zugelegt hat.
Der operative Kern der These ist das Cloud-Geschäft. Oracle prognostiziert für das Geschäftsjahr 2026 einen Gesamtumsatz von 67 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von rund 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Der Cloud-Umsatz soll dabei um mehr als 40 Prozent wachsen. Das sind keine bescheidenen Ziele, und der Markt preist sie zunehmend ein.
In 33 Tagen steht der nächste Earnings Call an. Pre-Earnings-Positionierung spielt bei der heutigen Bewegung von knapp 4,7 Prozent vermutlich eine Rolle — Investoren, die auf eine Bestätigung der Wachstumszahlen setzen, kaufen sich früh ein. Das Risiko dabei: Wenn die Zahlen am 16. Juni auch nur leicht enttäuschen, ist der Rückweg bei einer Bewertung auf diesem Niveau steil.
Oracles Transformation vom klassischen Datenbankkonzern zum Cloud- und KI-Infrastrukturanbieter ist real. Ob sie eine Bewertung rechtfertigt, die nach fast 40 Prozent Monatsperformance noch weiteres Aufwärtspotenzial verspricht, werden die Junizahlen zeigen.
