JPMorgan Chase berichtet am 14. Juli vor Marktöffnung seine Zahlen für das zweite Quartal 2026. Der Analystenkonsens liegt bei 5,52 USD EPS — ein Plus von rund 11 % gegenüber den 4,96 USD im Vorjahreszeitraum. Die Umsatzerwartungen streuen je nach Quelle zwischen 48,5 und 51,0 Mrd. USD, mit einem Cluster um 48,7 bis 50,5 Mrd. USD. Zacks rechnet mit 48,71 Mrd. USD, was einem Wachstum von rund 8,5 % YoY entspräche.
Analystenerwartungen
Der Konsens ist eng, aber nicht einheitlich. Während Zacks und Yahoo Finance bei 5,52 USD landen, sehen einzelne Häuser wie Sahm Capital die „Most Accurate Analysts” bei 5,61 USD. Das ist kein dramatischer Unterschied, zeigt aber einen leicht bullishen Bias bei denjenigen, die zuletzt ihre Schätzungen nach oben revidiert haben. UBS hat sein Kursziel auf 384 USD angehoben, Evercore ISI und Wells Fargo auf je 360 USD. Der aggregierte Konsens liegt bei rund 338 bis 350 USD Kursziel — moderate Upside, kein Euphorie-Signal.
Beim Net Interest Income erwartet der Markt rund 22,8 bis 23,3 Mrd. USD für Q2, im Einklang mit der Jahresguidance von ~95 Mrd. USD NII ex Markets. Investment-Banking-Gebühren werden auf rund 2,1 Mrd. USD geschätzt, ein Plus von etwa 20 % YoY. Nach dem Rekordquartal Q1 2026 mit rund 11,6 Mrd. USD in Markets (FICC/Equities) rechnet der Konsens für Q2 mit einer Normalisierung auf 7,8 bis 8,5 Mrd. USD.
Bewertungskontext
JPMorgan wird aktuell mit rund 16x auf TTM-EPS bewertet. Für das Gesamtjahr 2026 liegen die Konsensschätzungen bei etwa 22,4 USD EPS, was ein Forward-KGV von knapp 15x impliziert. Das ist kein Schnäppchen für eine Bank, aber auch kein extremes Bewertungsniveau — eher ein moderates Premium für das diversifizierteste Geschäftsmodell im US-Bankensektor. Die Quartalsdividende wurde zuletzt bei 1,50 USD je Aktie bestätigt, zahlbar Ende Juli.
Was Anleger beachten sollten
Prediction Markets sehen die Wahrscheinlichkeit eines EPS-Beats bei 96 %. Das klingt beruhigend, ist aber eigentlich das Problem: Wenn ein Beat als Baseline gilt, hängt die Kursreaktion fast vollständig an der Qualität des Prints. Konkret bedeutet das: Wie entwickelt sich das NII, und hebt das Management die Jahresguidance an oder bleibt es bei 95 Mrd. USD? Hält die Kreditqualität im Consumer-Segment — insbesondere bei Kreditkarten, wo die Net-Charge-Off-Guidance bei rund 3,4 % liegt? Und zeigt die Kostenbasis nach einem ausgabenintensiven Q1 erste Disziplin?
Ein weiterer Widerspruch, den der Markt bisher glättet: Die Markets-Umsätze sollen sich normalisieren, während IB-Gebühren zweistellig wachsen sollen. Beides gleichzeitig ist möglich, aber es setzt voraus, dass die Deal-Pipeline tatsächlich liefert und die Volatilität im FICC-Bereich nicht zu stark abflaut. Wer auf einen einfachen Beat-and-Rally-Trade setzt, unterschätzt, wie viel bereits eingepreist ist.
