Am 16. Juni berichtet Oracle nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Der Markt erwartet ein Non-GAAP-EPS von 1,95 USD — knapp unterhalb der eigenen Unternehmens-Guidance von 1,96 bis 2,00 USD. Beim Umsatz liegt die Guidance bei 18,9 bis 19,2 Mrd. USD. Das ist kein bescheidener Ausblick, und Oracle hat sich damit selbst wenig Spielraum gelassen.
Analystenerwartungen
Der Konsens bei 1,95 USD EPS orientiert sich eng an der Unternehmens-Guidance. Im Vorquartal (Q3 FY2026) hatte Oracle mit 1,79 USD EPS den damaligen Konsens übertroffen — ein Muster, das sich in den letzten Quartalen wiederholt hat. Entscheidend ist diesmal weniger, ob Oracle die 1,95 USD knackt, sondern ob das Cloud-Segment die kommunizierten Wachstumsraten von 44 bis 50 % tatsächlich liefert. Im Q3 erreichte das Cloud-Geschäft bereits 8,9 Mrd. USD Umsatz. Wer das fortschreibt, kommt auf eine Cloud-Basis, die Oracle strukturell von klassischen Softwareanbietern abhebt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem RPO-Bestand. 553 Mrd. USD an verbleibenden Leistungsverpflichtungen sind eine Zahl, die Analysten als Frühindikator für künftige Erlöse lesen. Wächst dieser Wert weiter, ist das ein Signal, dass die Nachfrage nach Oracle-Cloud-Infrastruktur — getrieben durch KI-Workloads und Rechenzentrumsverträge — anhält. Stagniert er, dürfte die Reaktion entsprechend ausfallen.
Bewertungskontext
Oracle wird aktuell mit einem KGV von rund 41 gehandelt. Das ist für ein Unternehmen im Infrastructure-Software-Segment ambitioniert, aber nicht irrational, solange das Cloud-Wachstum die Bewertung trägt. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten deutlich zugelegt, was den Druck auf das Management erhöht, die Wachstumsgeschichte zu bestätigen. Bei einem KGV von 41 verzeiht der Markt Enttäuschungen selten.
Hinzu kommt: Oracle plant für das Gesamtjahr FY2026 Kapitalausgaben von rund 50 Mrd. USD. Das ist eine massive Investitionswette auf Cloud-Nachfrage, die sich in den Cashflow-Zahlen niederschlägt. Ob die operative Cash-Generierung mit diesem Investitionstempo Schritt hält, ist eine der zentralen Fragen des Berichts.
Was Anleger beachten sollten
Das Insider-Bild ist nüchtern: In den vergangenen 90 Tagen gab es fünf Verkäufe und keinen einzigen Kauf durch Unternehmensinsider. Das muss kein Warnsignal sein — Insider verkaufen aus vielen Gründen — aber es ist kein Vertrauensbeweis in eine günstige Bewertung.
Drei Punkte verdienen beim Earnings-Call besondere Aufmerksamkeit: erstens, ob Oracle die FY2027-Guidance anhebt oder lediglich bestätigt; zweitens, ob das RPO-Wachstum anhält oder sich verlangsamt; drittens, ob das Management konkrete Aussagen zur Auslastung der neuen Rechenzentrumskapazitäten macht. Cloud-Wachstum von 44 % klingt stark — aber bei 50 Mrd. USD Capex muss die Nachfrage auch tatsächlich da sein, nicht nur in der Pipeline stehen.
