Überblick
Oracle berichtet am 16. Juni nach US-Börsenschluss die Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Der Termin kommt in einem Moment, in dem die Erwartungen hoch sind — nicht trotz, sondern wegen der starken Vorquartalszahlen. Wer zuletzt übertrifft, erhöht die Messlatte für das Folgeresultat. Das ist die Ausgangslage.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt beim bereinigten Gewinn je Aktie bei 1,95 USD. Oracle selbst hatte für Q4 eine Non-GAAP-EPS-Spanne von 1,96 bis 2,00 USD in Aussicht gestellt — der Markt erwartet also, dass das Unternehmen die eigene Guidance zumindest trifft. Beim Umsatz zielt Oracle für das Gesamtjahr FY2026 auf rund 67 Milliarden USD, was impliziert, dass Q4 ein weiteres Wachstumsquartal werden muss. Das Analystenbild ist konstruktiv: 20 Strong Buy, 4 Buy, 15 Hold, kein einziges Sell — aber diese Verteilung zeigt auch, dass die Erwartungen bereits eingepreist sind und wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt.
Bewertungskontext
Oracle ist kein günstiger Wert. Die Aktie wird auf Basis der Forward-Schätzungen mit einem KGV gehandelt, das für ein Infrastruktur-Softwareunternehmen ambitioniert ist. Der Kurs hat sich im Zwölf-Monats-Vergleich deutlich erholt, getragen von der KI- und Cloud-Euphorie. Die Marktkapitalisierung liegt im Bereich von rund 500 Milliarden USD. Gleichzeitig plant Oracle für FY2026 Investitionen von 50 Milliarden USD in KI- und Cloud-Infrastruktur — das drückt auf den freien Cashflow und ist ein Punkt, den Analysten zunehmend kritisch beobachten. Wachstum auf Pump funktioniert, solange die Nachfrage stimmt.
Was Anleger beachten sollten
Die zentrale Kennzahl ist nicht das EPS, sondern das sequenzielle Wachstum der Remaining Performance Obligations. Nach einem Zuwachs von 68 Milliarden USD in Q2 und 29 Milliarden USD in Q3 wird der Markt genau prüfen, ob der Auftragsbestand weiter steigt oder sich das Tempo verlangsamt. Ein RPO-Rückgang oder eine Stagnation würde die KI-Nachfrage-These direkt in Frage stellen — unabhängig davon, was das EPS zeigt.
Beim Cloud-Infrastrukturgeschäft (OCI/IaaS) hat Oracle für das laufende Jahr ein Wachstum von 44 bis 48 Prozent in konstanter Währung angekündigt. Ob dieses Tempo im Q4 gehalten oder sogar übertroffen wird, ist der zweite wichtige Datenpunkt. Analysten fragen außerdem, wie breit die Nachfragebasis ist — ob also mehrere Großkunden tragen oder ob das Wachstum an wenigen Hyperscaler-Deals hängt.
Auf der Risikoseite stehen die hohe Kapitalintensität, der negative freie Cashflow und eine Verschuldung, die bei diesen Investitionsplänen nicht kleiner wird. Das Insider-Sentiment der letzten 90 Tage ist eindeutig: null Käufe, vier Verkäufe. Das ist kein Alarmsignal, aber auch kein Vertrauensbeweis von innen.
