Am 16. Juni 2026 legt Oracle nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Der Termin ist nicht irgendein Pflichtprogramm: Nach einem dritten Quartal, das mit 17,2 Mrd. USD Umsatz und einem Non-GAAP-EPS von 1,79 USD über den Erwartungen lag, hat Oracle die Messlatte selbst hochgelegt. Jetzt muss das Unternehmen zeigen, ob die KI- und Cloud-Dynamik kein Einmaleffekt war.
Analystenerwartungen
Der Analystenkonsens liegt beim EPS bei 1,95 USD. Oracle selbst hat für das laufende Quartal eine Non-GAAP-Spanne von 1,96 bis 2,00 USD in Aussicht gestellt — die eigene Guidance liegt also leicht über dem Marktkonsens. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Unternehmen 67 Mrd. USD Umsatz an. Beim Umsatz schaut der Markt vor allem auf das Cloud-Segment und speziell auf Oracle Cloud Infrastructure (OCI): Nach kräftigem Wachstum im Vorquartal wird eine weitere Beschleunigung erwartet, nicht nur eine Bestätigung des Niveaus.
Besonders im Fokus steht das Remaining Performance Obligation (RPO), also der noch nicht realisierte Auftragsbestand. Der lag zuletzt bei 553 Mrd. USD — ein Anstieg von 325 % gegenüber dem Vorjahr. Diese Zahl ist beeindruckend groß, aber sie ist auch eine Verpflichtung: Der Markt will sehen, dass Oracle diesen Bestand sequenziell weiter ausbaut und nicht nur verwaltet.
Bewertungskontext
Konkrete aktuelle KGV- und Kursdaten liegen im Rahmen dieses Previews nicht vor. Was sich sagen lässt: Oracle hat in den vergangenen Quartalen eine deutliche Neubewertung erfahren, getragen von der KI-Infrastruktur-Fantasie rund um OCI. Wer zu aktuellen Kursen kauft, wettet darauf, dass der 553-Mrd.-USD-Auftragsbestand tatsächlich in Umsatz und Gewinn übersetzt wird — und dass die angekündigten 50 Mrd. USD Capex für das Geschäftsjahr 2026 die Margen nicht dauerhaft belasten.
Was Anleger beachten sollten
Die zentrale Frage ist nicht, ob Oracle die EPS-Schätzung von 1,95 USD trifft — das ist bei einer eigenen Guidance von bis zu 2,00 USD die Mindesterwartung. Entscheidend ist der Ausblick: Hebt Oracle die Wachstumsprognosen für Cloud und Gesamtumsatz an, oder bleibt die Guidance vorsichtig? Ein „Beat-and-Raise” würde die Aktie stützen, ein reines Treffen der Erwartungen dürfte bei der aktuellen Bewertung kaum reichen.
Auf der Risikoseite stehen die Investitionsausgaben. 50 Mrd. USD Capex ist eine Zahl, die den freien Cashflow erheblich belastet. Steigen die Ausgaben weiter, während das Cloud-Wachstum sich normalisiert, entsteht ein Widerspruch, den der Markt bisher großzügig ignoriert hat. Hinzu kommt das Insider-Bild: In den vergangenen 90 Tagen gab es vier Verkäufe und keinen einzigen Kauf durch Unternehmensinsider — kein Alarmsignal für sich allein, aber auch kein Vertrauensbeweis.