Am 16. Juni nach US-Börsenschluss legt Oracle seine Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Der EPS-Konsens der Analysten liegt bei 1,95 USD — das passt zur unternehmenseigenen Non-GAAP-Guidance von 1,96 bis 2,00 USD, die Oracle nach dem Q3 ausgegeben hatte. Ein kleiner Beat ist also eingepreist, kein großer.
Analystenerwartungen
Der Markt rechnet mit einem EPS von 1,95 USD, was gegenüber dem Vorjahresquartal einem deutlichen Anstieg entspricht. Beim Umsatz hat Oracle für das Gesamtjahr FY26 eine Zielmarke von 67 Mrd. USD bestätigt. Das impliziert für Q4 einen Quartalsumsatz, der das bisherige Wachstumstempo von rund 10–11% gegenüber dem Vorjahr fortschreiben müsste. Das Cloud-Segment ist dabei der entscheidende Hebel: Im Q3 wuchs der Cloud-Umsatz um 34% in USD — Analysten werden prüfen, ob dieses Tempo hält oder sich abschwächt.
Die Remaining Performance Obligations, kurz RPO, sind die Kennzahl, auf die der Markt derzeit am stärksten schaut. Oracle meldete zuletzt 553 Mrd. USD — ein Wert, der vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Das Problem: Ein Backlog ist kein Umsatz. Die Frage ist die Conversion-Geschwindigkeit, also wie schnell Oracle die gebuchten Verträge in abgerechnete Erlöse überführen kann.
Bewertungskontext
Oracle wird aktuell mit einem Forward-KGV von rund 30 gehandelt — für ein Unternehmen mit dem Wachstumsprofil eines klassischen Enterprise-Software-Anbieters ist das ambitioniert, für einen OCI-getriebenen Cloud-Wachstumswert liegt es im Rahmen. Die Aktie hat sich im laufenden Jahr deutlich erholt und notiert nahe ihrer 52-Wochen-Hochs. Die Marktkapitalisierung liegt bei über 500 Mrd. USD. Wer zu diesen Kursen kauft, wettet darauf, dass der Backlog-Aufbau kein Strohfeuer ist.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte werden die Kursreaktion am 16. Juni bestimmen. Erstens: die Guidance-Qualität für FY27. Oracle hat selbst auf weiteres Erlöspotenzial jenseits der 67-Mrd.-Marke hingewiesen — konkrete Zahlen oder ein vorsichtiger Ton werden den Ausschlag geben, nicht das Q4-EPS allein. Zweitens: der Capex-Ausblick. Oracle hat seine Investitionsplanung für FY26 bereits nach oben revidiert; hohe Capex-Ankündigungen können kurzfristig auf die Marge drücken, selbst wenn das Wachstum stimmt. Drittens: neue OCI-Großdeals. Der Markt will wissen, ob Oracle im KI-Infrastruktur-Segment weitere Buchungen gewinnt oder ob der Backlog-Aufbau der letzten Quartale das Maximum darstellt.
Das Insider-Bild ist dabei wenig ermutigend: In den vergangenen 90 Tagen gab es null Käufe, aber fünf Verkäufe durch Unternehmensinsider. Das muss kein Signal sein — bei einem Kurs nahe Allzeithoch ist Gewinnmitnahme normal. Ignorieren sollte man es trotzdem nicht.
