Goldman Sachs hatte das Kursziel auf 328 USD gesetzt, bevor die Zahlen überhaupt auf dem Tisch lagen. Dass Nebius diesen Vorschuss dann auch einlöst, ist keine Selbstverständlichkeit — und erklärt, warum der Markt heute so reagiert wie er reagiert.
Der Umsatz im zweiten Quartal 2026 kam auf 582,3 Mio. USD, ein Anstieg von rund 454 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das ist kein organisches Wachstum mehr, das ist ein struktureller Umbau. Nebius positioniert sich als europäisch verwurzelter Neocloud-Anbieter für KI-Infrastruktur — ein Segment, das der Markt derzeit mit erheblichen Bewertungsaufschlägen versieht, wie der Vergleich mit CoreWeave zeigt.
Gleichzeitig hat das Unternehmen eine Wandelanleihe platziert, die zunächst Verwässerungssorgen auslöste und die Aktie belastete. Inzwischen bewertet ein Teil der Investoren die Kapitalmaßnahme um: Wer aggressiv Kapazitäten aufbaut, braucht Geld, und eine überzeichnete Wandelanleihe ist kein schlechtes Signal für die Nachfrage nach dem Papier. Cantor Fitzgerald bleibt positiv, andere Häuser ziehen nach.
Das Spannungsfeld bleibt trotzdem bestehen. Nebius wächst schnell, verbrennt dabei aber Kapital, und die Bewertung hängt stark daran, dass der KI-Infrastruktur-Boom anhält. Bricht das Sentiment im Sektor, trifft das Nebius überproportional — der Kurs hat in den vergangenen Wochen gezeigt, wie volatil diese Geschichte ist.
Für heute gilt: Die Kombination aus einem klaren Earnings-Beat, einem angehobenen Ausblick und positivem Analysten-Sentiment reicht dem Markt. Ob das in drei Monaten noch so ist, hängt davon ab, ob die aufgebauten Kapazitäten auch ausgelastet werden.
