Auf 30-Tage-Sicht hat Western Digital knapp 48 % zugelegt. Das ist keine schrittweise Neubewertung, das ist eine Neukalibrierung des gesamten Speichermedien-Sektors — und WDC ist dabei einer der direkten Nutznießer.
Der heutige Anstieg auf rund 461 USD (Stand: Handelsschluss USA) fügt sich in ein Muster ein, das seit Anfang April läuft: steigende NAND- und HDD-Nachfrage, getrieben durch Rechenzentrumsausbau und KI-Infrastruktur. Western Digital beliefert beide Segmente. Seagate Technology, der direkte Wettbewerber im HDD-Markt, legte zuletzt ebenfalls stark zu — was darauf hindeutet, dass die Bewegung sektoral ist, nicht unternehmensspezifisch.
Das Analysten-Bild ist eindeutig: 25 Coverage-Analysten, 60 % mit Strong Buy, Kursziel im Schnitt bei 448 USD. Das Problem dabei ist offensichtlich — der Kurs ist diesem Ziel bereits sehr nah. Wer heute kauft, kauft auf Basis von Schätzungen, die vor dem 48-%-Anstieg formuliert wurden. Ob die Ziele inzwischen angehoben wurden, ist aus den vorliegenden Daten nicht eindeutig ableitbar.
Der nächste Earnings Call ist für den 29. Juli 2026 geplant, EPS-Konsens liegt bei 3,27 USD. Das sind noch 85 Tage. Bis dahin fehlt ein harter Datenpunkt, der die aktuelle Bewertung entweder bestätigt oder in Frage stellt. Bei einem Kurs, der in einem Monat fast die Hälfte zugelegt hat, ist das eine lange Zeit ohne Orientierung.
Kurzfristig ist die Bewegung nachvollziehbar. Mittelfristig hängt alles daran, ob das Juli-Quartal die impliziten Erwartungen erfüllt, die der Markt mit diesem Kursanstieg bereits eingepreist hat.
