Adobe berichtet am 10. September nach US-Börsenschluss die Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Das Unternehmen hat selbst eine Guidance von 6,67–6,72 Mrd. USD Umsatz und 6,05–6,10 USD non-GAAP EPS ausgegeben. Der Street-Konsens liegt mit rund 6,69 Mrd. USD Umsatz und 6,07–6,09 USD EPS bereits nahe am oberen Ende dieser Spanne. Die Hürde für eine positive Überraschung ist damit rechnerisch hoch — was zählt, sind die qualitativen Signale.
Analystenerwartungen
Zacks erwartet 6,69 Mrd. USD Umsatz, ein Plus von knapp 12 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Beim non-GAAP EPS liegt der Konsens bei rund 6,08 USD, was einem Anstieg von etwa 14,5 % entspricht. Citi nennt 6,09 USD und beschreibt das Setup als „achievable” — was in der Analystensprache bedeutet: solide, aber kein Selbstläufer. Der GAAP-EPS-Konsens liegt bei 4,86 USD, verglichen mit 4,29 USD im Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr hat Adobe eine Umsatz-Guidance von rund 26,5–26,6 Mrd. USD ausgegeben, leicht über dem damaligen Konsens von etwa 26,1 Mrd. USD.
Von den 38 Analysten, die Adobe abdecken, votieren 19 mit Strong Buy, 6 mit Buy, 13 mit Hold — kein einziges Sell-Rating. RBC hat das Kursziel zuletzt auf 315 USD angehoben. CIBC Capital Markets hat kurz vor den Zahlen Positionen aufgebaut. Das Sentiment ist konstruktiv, aber nicht euphorisch.
Bewertungskontext
Adobe kommt mit einem KGV von rund 14,7 auf Basis der TTM-Gewinne von etwa 17,48 USD je Aktie in die Berichtssaison. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 102 Mrd. EUR. Das ist für einen Softwarekonzern mit diesen Margen keine aggressive Bewertung — aber auch kein Schnäppchen, wenn das Wachstum bei moderaten 11–12 % pro Jahr bleibt. Der Kurs hat in den vergangenen Monaten gelitten, weil solide Zahlen ohne klares Wachstumsbeschleuniger den Markt nicht überzeugt haben.
Was Anleger beachten sollten
Drei Themen werden den Call dominieren. Erstens: KI-Monetarisierung. Der Markt will konkrete ARR-Zuwächse und Nutzerkennzahlen für Firefly und Adobe Express sehen — nicht nur Produktankündigungen. Der im August gemeldete Deal in Saudi-Arabien, bei dem über 27 Millionen Nutzer zwölf Monate kostenlosen Zugang zu Firefly Standard erhalten, ist strategisch interessant, aber im Q3 noch nicht ergebniswirksam. Er zeigt Reichweite, keine Marge.
Zweitens: CEO-Nachfolge. Anil Chakravarthy übernimmt von Shantanu Narayen, der Executive Chair wird. Gleichzeitig verlässt David Wadhwani, Leiter des Kreativ-Segments, das Unternehmen. Der Markt hat auf diese Meldungen mit Kursrückgängen von bis zu 7 % reagiert. Beim Earnings-Call muss das neue Management glaubhaft erklären, wie die Produktstrategie im Kreativbereich weitergeführt wird — das ist die eigentliche Unsicherheit, nicht die Quartalszahl selbst.
Drittens: Ausblick. Ein reines Inline-Ergebnis ohne Anhebung der Jahresguidance dürfte den Kurs kaum bewegen. Wer auf eine Re-Rating-Rally setzt, braucht ein klares Signal, dass das KI-Geschäft mehr als ein Marketingargument ist — und dass der Führungswechsel die Strategie nicht bremst, sondern schärft. Beides gleichzeitig zu liefern ist möglich, aber nicht trivial.
