Zum Inhalt springen
Q-Bericht
2 min

638-Milliarden-Backlog, aber die Aktie hat die Hälfte ihres Werts verloren — schafft Oracle am 8. September die Wende?

EPS-Guidance von 1,72–1,76 USD, ein Backlog von 638 Mrd. USD und eine Aktie, die seit dem Hoch rund 50 % verloren hat: Oracle muss am 8. September liefern — oder die Bullen verlieren ihr stärkstes Argument.

Am 8. September 2026 legt Oracle Corporation (ORCL.US) seine Zahlen für Q1 FY27 vor. Das Quartal fällt in eine Phase, in der die Aktie massiv unter Druck stand: Seit dem 52-Wochen-Hoch hat ORCL rund 50 bis 57 % verloren, das 52-Wochen-Tief lag bei etwa 114 USD. Gleichzeitig hält das Unternehmen an einer ambitionierten AI-Cloud-Strategie fest, die hohe Investitionen erfordert und die Bilanz belastet. Selten war ein Oracle-Quartal so eindeutig ein Richtungsentscheid.

Analystenerwartungen

Oracle hat für Q1 FY27 eine eigene EPS-Guidance von 1,72 bis 1,76 USD kommuniziert — der Analystenkonsens orientiert sich an dieser Spanne, nicht an der niedrigeren Schätzung von 1,40 USD, die deutlich darunter liegt. Für das Gesamtjahr FY27 steht die Unternehmens-Guidance bei rund 8,05 USD EPS. Im zuletzt gemeldeten Quartal hatte Oracle mit einem EPS von 2,11 USD den damaligen Konsens von 1,96 USD übertroffen, bei einem Umsatzwachstum von knapp 21 % auf 19,2 Mrd. USD. Der Markt erwartet, dass zweistellige Wachstumsraten auch diesmal bestätigt werden — getragen vor allem durch Oracle Cloud Infrastructure (OCI) und AI-Workloads.

Bewertungskontext

Das KGV liegt aktuell bei rund 25,9, das EPS auf Trailing-Basis bei 5,83 USD, die Marktkapitalisierung bei etwa 434,5 Mrd. EUR. Für einen Software-Infrastrukturwert mit diesem Wachstumsprofil ist das keine übertriebene Bewertung — aber auch keine Sicherheitsmarge, die Enttäuschungen abfedert. Citi hat die Aktie zuletzt auf eine 90-Tage-Catalyst-Watch gesetzt und den Kursrückgang als übertrieben bezeichnet; ORCL legte daraufhin rund 2 bis 3 % zu. Auf der anderen Seite hat Michael Burry seine Short-Position erhöht, mit dem Argument, der Markt baue zu viel AI-Computing-Kapazität auf. Beide Positionen existieren gleichzeitig — das ist kein Widerspruch, den man glätten sollte.

Was Anleger beachten sollten

Der wichtigste Datenpunkt am 8. September ist nicht das EPS allein, sondern ob Oracle die eigene Guidance trifft oder verfehlt. Ein Ergebnis nahe 1,40 USD wäre ein klarer Miss und dürfte den Kurs hart treffen. Daneben stehen drei Themen im Fokus: Erstens das Wachstum in OCI und AI-Verträgen sowie die Entwicklung des kommunizierten Backlogs von 638 Mrd. USD. Zweitens die Frage der Finanzierbarkeit: Ein MarketBeat-Kommentar titelte „Oracle Is One Step From Junk — Can It Afford the AI Boom?”, was die Diskussion um Verschuldung, Capex und Rating-Risiken auf den Punkt bringt. Drittens der Projektstatus der AI-Infrastruktur: Ein Erdgas-Pipeline-Projekt zur Versorgung eines Rechenzentrumskomplexes in New Mexico wurde um sechs Monate auf Februar 2027 verschoben — die Aktie verlor daraufhin knapp 4 % an einem Tag. Das Management wird erklären müssen, wie es mit solchen Abhängigkeiten umgeht. Hinzu kommen angekündigte Entlassungen, die der Markt kurzfristig als Kostenkontrolle interpretiert hat, die aber das Wachstumstempo bremsen könnten. Das Analysten-Rating-Bild — 20 Strong Buy, 4 Buy, 15 Hold, kein Sell — klingt komfortabel, bis man sich den Kursverlauf der letzten Monate ansieht.

INHALT BLOCKIERT

TradingView-Chart deaktiviert

Dieser interaktive Chart wird von TradingView Inc. bereitgestellt. Beim Laden werden Daten an TradingView übermittelt — bitte aktivieren Sie funktionale Cookies, um den Chart anzuzeigen.

Kursverlauf Oracle Corporation · NYSE:ORCL
Aktuelle Kennzahlen · Oracle Corporation
Stand 2. Sept. 2026
Kurs152,94 €
KGV24,2
Dividendenrendite+1,34%
Marktkapitalisierung407,1 Mrd. €
52-W-Hoch341,82 €
52-W-Tief114,50 €
Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
Team Sesselmann

Oracle trägt eine schwere Last: massive Schulden, hohe Investitionen und eine Aktie, die seit dem Hoch gut 50 % verloren hat. Der Backlog von 638 Mrd. USD belegt echte Nachfrage nach Cloud- und AI-Diensten. Doch die Pipeline-Verzögerung in New Mexico kostete die Aktie an einem Tag knapp 4 % — Umsetzungsrisiken sind real. Am 8. September entscheidet vor allem die FY27-Guidance von 8,05 USD EPS darüber, ob die AI-These noch steht.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

Quellen & Fußnoten
  1. Oracle Stock Climbs on a 5.36% Move and 638 Billion Backlog
  2. Oracle Stock Just Hit a 52-Week Low After a 57% Drop
  3. Citi Sees Opening in Oracle's Brutal Selloff
  4. Why Oracle Stock Got Trounced Today (Pipeline-Verzögerung)
  5. Oracle Trading Down 2.7% — Time to Sell? (Verschuldungsdiskussion)
  6. Cloud Giant Plans Layoffs to Cover AI Expansion Costs
Zur Aktie Oracle Corporation

Sonntags, ein Brief.
Kurz. Klar. Kostenlos.

Jeden Sonntagmorgen in Ihrem Postfach: die wichtigsten Fundamentalanalysen der Woche, die drei Quartalszahlen, die Sie nicht verpasst haben, und die Einschätzung zum Markt. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Herausgeber: EIN Sesselmann AG. Hiermit melde ich mich zum wöchentlichen Newsletter an. Sie können sich jederzeit über einen Link am Ende jedes Newsletters abmelden. Hinweis zum Datenschutz