Wer Oracle heute kauft, wettet im Wesentlichen darauf, dass 55 Mrd. USD Investitionsausgaben im laufenden Geschäftsjahr kein Geldverbrennen sind, sondern Infrastruktur, die in zwei oder drei Jahren Cashflows produziert. Das ist keine kleine Annahme.
Die Fundamentaldaten liefern zumindest das Rohmaterial für diese These. Cloud-Umsätze wuchsen zuletzt um 47 %, der Cloud-Infrastructure-Bereich sogar um 93 %. Der sogenannte Remaining Performance Obligation, also vertraglich bereits gebuchte, aber noch nicht realisierte Umsätze, stieg um 363 % auf 638 Mrd. USD, getrieben von großvolumigen AI-Verträgen. Auf der anderen Seite steht ein Free-Cashflow-Defizit von rund 23,7 Mrd. USD, das den Kurs seit Monaten belastet.
Analysten bei UBS halten an einem Kursziel von 210 USD fest und argumentieren, dass Details zum AI-Joint-Venture „Stargate” mit OpenAI und SoftBank beim nächsten Earnings Call am 8. September alles andere überlagern könnten. Der Konsens liegt laut einer Analyse bei 24/7 Wall St. sogar bei rund 246 USD, was gegenüber dem aktuellen Kursniveau einen erheblichen Abschlag impliziert.
Hinzu kommt ein Sektor-Effekt: Wenn AI-Cloud-Namen wie CoreWeave oder Snowflake an einem Tag deutlich zulegen, läuft Oracle als AI-Infrastruktur-Play typischerweise mit. Das heutige Plus von rund 3,8 % passt in dieses Muster.
Das 52-Wochen-Tief lag bei rund 114 USD, der Kurs hat seitdem erheblich aufgeholt, ist aber noch weit von früheren Hochs entfernt. Wer heute kauft, spekuliert auf eine Neubewertung vor dem Earnings-Termin, nicht auf eine bereits eingetretene operative Wende. Der Unterschied ist relevant.
