Überblick
Rheinmetall veröffentlicht die vollständigen Q1-2026-Zahlen heute nach Börsenschluss. Das Besondere: Teile der Eckdaten sind bereits bekannt. Der Umsatz lag bei 1,938 Mrd. € und damit 11,7% unter dem Analystenkonsens von 2,195 Mrd. €. Die operative Marge traf mit 11,6% exakt die Erwartungen. Was fehlt, ist das vollständige EPS — und die Frage, ob das Management die Jahresguidance mit überzeugenden Argumenten verteidigt oder nur wiederholt.
Analystenerwartungen
Der EPS-Konsens für Q1 liegt bei 2,84 €. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten Analysten ein EPS von 35,88 € — ein Plus von 58% gegenüber dem Vorjahr. Beim Umsatz peilt Rheinmetall selbst ein Wachstum von 40–45% auf 14,0–14,5 Mrd. € an, bei einer operativen Marge von rund 19%. Das sind ambitionierte Ziele, die nach einem schwachen Q1-Umsatz nun stärker unter Beobachtung stehen.
28 Analysten begleiten die Aktie, davon 21 mit Kaufempfehlung, 7 mit Halten, keiner mit Verkauf. Die Kursziele reichen von 2.050 € (Bernstein Research) bis 2.300 € (Goldman Sachs), im Schnitt 2.195 € — das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 48% gegenüber dem aktuellen Kurs.
Bewertungskontext
Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 11,8% verloren, was angesichts der allgemeinen Rüstungseuphorie der vergangenen Monate auffällt. Der Markt hat also bereits Skepsis eingepreist — oder zumindest Geduld verloren. Auf Basis des Jahres-EPS-Konsenses von 35,88 € ergibt sich ein Forward-KGV von etwa 41, was für einen Rüstungswert historisch hoch ist, aber durch das erwartete Wachstumstempo gestützt wird. Der Auftragsbestand von rund 73 Mrd. € — ein Plus von 31% gegenüber dem Vorjahr — ist das stärkste Argument für die Bullen.
Was Anleger beachten sollten
Der Widerspruch ist offensichtlich: Marge stimmt, Umsatz fehlt. Das kann ein Timing-Problem sein, kein strukturelles. Rheinmetall selbst benennt konkrete Q2-Katalysatoren: die Vollproduktion im spanischen Werk Murcia nach dem Brand im Vorjahr sowie die geplante Übergabe von Militärlastwagen an die Bundeswehr. Wenn diese Lieferungen planmäßig laufen, ist Q1 tatsächlich nur ein Delle.
Das Risiko liegt woanders: Der Cashflow ist trotz hoher Guidance negativ, das Working Capital bindet Liquidität. Wer heute Abend auf die Zahlen schaut, sollte nicht nur auf EPS und Umsatz achten, sondern auf den Free Cashflow und die Kommentare zum Auftragsabruf. Ein Auftragsbestand von 73 Mrd. € ist beeindruckend auf dem Papier — entscheidend ist, wie schnell er sich in Umsatz verwandelt.
