Am 19. Mai 2026 veröffentlicht Home Depot seine Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 — vor Marktöffnung. Der Zeitpunkt ist heikel: Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen rund 16 % verloren, liegt etwa 10 % unter dem Jahresanfangsniveau und hat damit den S&P 500 deutlich underperformt, der im gleichen Zeitraum rund 16 % zulegte. Was auf dem Spiel steht, ist weniger die einzelne Quartalszahl als die Frage, ob das Management die Investoren davon überzeugen kann, dass der Kursrückgang übertrieben war.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt bei einem EPS von 3,59 USD für Q1. Beim Umsatz erwarten 24 Analysten im Schnitt rund 42 Mrd. USD, was einem Wachstum von etwa 4,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspräche. Für das Gesamtjahr FY2026 hat das Unternehmen selbst eine Guidance von 171 Mrd. USD Umsatz ausgegeben — das wären rund 3,8 % mehr als die 164,68 Mrd. USD aus FY2025. Beim bereinigten EPS erwartet das Management ein Wachstum von flach bis plus 4 %, was unter dem Analystenkonsens von 5,6 % liegt.
Ein konkretes Risiko für Q1: Das EPS könnte im mittleren einstelligen Prozentbereich unter dem Vorjahreswert liegen — nicht wegen schwacher Nachfrage, sondern wegen buchhalterischer Effekte aus dem Akquisitions-Timing. Ob der Markt diese Unterscheidung macht, ist offen. Wenn nicht, dürfte die Reaktion entsprechend ausfallen.
Bewertungskontext
Das aktuelle KGV liegt bei rund 21,4. Für einen Marktführer im Home-Improvement-Segment ist das moderat, aber nicht günstig — zumal das Wachstum vorerst überschaubar bleibt. Das mittlere Kursziel der Analysten liegt bei 407 USD, was gegenüber dem aktuellen Kurs von rund 323 USD ein Aufwärtspotenzial von etwa 26 % impliziert. 26 von 39 Analysten sind bullish (21 Strong Buy, 5 Buy). Das klingt nach breitem Rückhalt — und steht gleichzeitig in einem merkwürdigen Kontrast zu den 8 Insider-Verkäufen und null Käufen in den vergangenen 90 Tagen.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte werden die Marktreaktion bestimmen. Erstens: Wie entwickelt sich die Profi-Nachfrage gegenüber dem DIY-Segment? Profis kaufen regelmäßiger und preisunelastischer — ihr Anteil am Umsatz ist ein Qualitätsindikator. Zweitens: Setzt sich das Online-Wachstum fort? Im letzten Quartal lag es bei plus 11 %, ein Wert, den viele Analysten als Stabilitätssignal werten. Drittens — und das ist der eigentliche Knackpunkt — muss das Management den EPS-Rückgang im Q1 glaubwürdig als buchhalterischen Effekt einordnen, nicht als Nachfrageschwäche. Gelingt das nicht, wird der Markt die Guidance für das Gesamtjahr neu bewerten. Der Immobilienmarkt bleibt das strukturelle Problem: Solange die Zinsen hoch bleiben und Hausbesitzer große Renovierungsprojekte aufschieben, fehlt der Katalysator für eine echte Nachfragebeschleunigung. Die Guidance vom Dezember 2025 lag bereits unter den Erwartungen — ein weiteres Enttäuschungssignal wäre schwer zu verkaufen.
