Am 26. August berichtet NVIDIA nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027. Das Unternehmen hat zuletzt eine Guidance von 91 Mrd. USD Umsatz ausgegeben, plus/minus 2 Prozent. Der Markt erwartet mehr.
Was Analysten erwarten
Der Konsens liegt bei rund 92 Mrd. USD Umsatz und 2,09 USD bereinigtem EPS — ein Anstieg von knapp 97 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Bruttomarge soll bei etwa 75 Prozent landen, deckungsgleich mit der Management-Guidance. Soweit der Mainstream.
Daneben gibt es einen deutlich bullischeren Flügel: Jefferies-Analyst Blayne Curtis rechnet mit 95 Mrd. USD Umsatz und spricht von der Möglichkeit des größten Revenue-Beats in der Unternehmensgeschichte. Bank of America erwartet 94 bis 95 Mrd. USD und sieht die Q3-Guidance bei 107 bis 108 Mrd. USD — der Street-Konsens für Q3 liegt derzeit bei rund 103 bis 104 Mrd. USD. Diese Spreizung zwischen Konsens und Bullen-Szenarien ist ungewöhnlich groß und erhöht das Enttäuschungsrisiko, selbst wenn NVIDIA formal schlägt.
Erschwerend kommt hinzu, dass verschiedene Datenanbieter teils abweichende Konsens-Zahlen ausweisen: Barchart nennt 2,01 USD EPS, TickerDaily 2,13 USD. Wer den „falschen” Konsens als Referenz nimmt, kann dieselbe Zahl als Beat oder als Miss lesen.
Bewertungskontext
NVIDIA ist mit einer Marktkapitalisierung von über 5 Billionen USD bewertet. Das Forward-KGV liegt bei rund 33, was auf Basis des aktuellen Quartals-EPS von 2,09 USD und einem TTM-EPS von 6,53 USD eine erhebliche Wachstumserwartung für 2027 und darüber hinaus einpreist. Mehrere Häuser modellieren EPS von über 13 USD bis 2027. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten massiv zugelegt und notiert nahe ihres 52-Wochen-Hochs.
Was Anleger beachten sollten
Der wichtigste Datenpunkt wird nicht das aktuelle Quartal sein, sondern die Q3-Guidance. Ein solider Beat ohne deutliche Anhebung des Ausblicks dürfte als unzureichend interpretiert werden — das Muster der letzten Quartale hat die Latte entsprechend hoch gelegt.
Daneben sind drei Punkte zentral: Erstens der Data-Center-Umsatz, der laut verschiedenen Schätzungen zwischen 83,5 und 91,5 Mrd. USD liegen soll und direkt zeigt, wie stark die Nachfrage nach Blackwell-GPUs tatsächlich ist. Zweitens die Bruttomarge — jede Abweichung nach unten, etwa durch Produktmix oder Foundry-Kosten, wird den Markt beschäftigen. Drittens China: Die Guidance schließt Data-Center-Compute-Umsätze aus China explizit aus, was theoretisch Spielraum nach oben lässt, aber die regulatorische Unsicherheit bleibt ein reales Risiko.
Hinzu kommt die Capex-Rhetorik der großen Cloud-Anbieter. AWS, Azure, Google und Meta haben ihre KI-Investitionspläne für 2026/27 zuletzt bekräftigt — das ist der Boden, auf dem NVIDIAs Wachstumsgeschichte steht. Bröckelt dieser Boden auch nur verbal, reagiert die Aktie.
