Am 14. Juli 2026 legt Bank of America vor dem Handelsstart die Zahlen für das zweite Quartal vor. Die Latte liegt hoch: Acht Quartale in Folge hat die Bank die Erwartungen übertroffen, und der Markt hat das längst eingepreist. Die Aktie notiert nahe ihrem Rekordhoch, mehrere Analysten haben ihre Kursziele zuletzt angehoben.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt bei einem EPS von 1,11 USD für Q2 2026, nach 0,83 USD im Vorjahresquartal — ein Plus von rund 34 % YoY. Beim Umsatz rechnen Analysten mit 30,4 bis 30,7 Mrd. USD, was einem Wachstum von etwa 25 % gegenüber Q2 2025 entspräche. Für das Gesamtjahr 2026 liegt der EPS-Konsens bei rund 4,47 USD, was einem Wachstum von etwa 17 % gegenüber 2025 entspricht. Die Q2-Schätzungen wurden in den vergangenen drei Monaten um +2,8 % nach oben revidiert — ein klares Signal, dass die Stimmung unter Analysten konstruktiv ist.
Bewertungskontext
Bank of America wird aktuell mit einer Marktkapitalisierung von rund 320 Mrd. USD gehandelt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der 2026er-Konsensschätzung liegt bei etwa 13 bis 14 — für eine Großbank kein Schnäppchen mehr, aber auch kein Ausreißer. Wells Fargo hat das Kursziel zuletzt auf 67 USD angehoben, JPMorgan auf 62,50 USD. Oppenheimer dagegen hat die Aktie von „Outperform” auf „Market Perform” zurückgestuft — mit dem Argument, dass nach der Rallye das Aufwärtspotenzial begrenzt ist. Beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung, und genau das macht den Moment interessant.
Was Anleger beachten sollten
Drei Themen werden den Kurs nach den Zahlen bestimmen. Erstens das Trading-Geschäft: Co-Präsident Jim DeMare hat öffentlich in Aussicht gestellt, dass Bank of America die eigene Prognose von +15 % Markets-Revenue im Q2 übertreffen könnte — getragen vor allem vom Equity-Trading. Das wäre das 17. Quartal in Folge mit Umsatzwachstum in der Markets-Division. Wer diese Aussage kennt und trotzdem enttäuscht wird, hat ein Problem.
Zweitens das Net Interest Income: Nach Q1 hat das Management die NII-Wachstumsguidance für 2026 auf 6 bis 8 % YoY angehoben. Ob diese Prognose im Q2 bestätigt oder sogar erhöht wird, ist die zentrale Frage für das Zinsergebnis — zumal regulatorische Risiken wie mögliche Caps bei Kreditkartenzinsen die Consumer-Banking-Margen belasten könnten.
Drittens die Kreditqualität: Der Bullenfall für US-Großbanken basiert auf stabilen Ausfallraten und begrenzten Rückstellungen. Sollten die Net Charge-offs im Consumer-Portfolio steigen, würde das die EPS-Story schnell eintrüben — unabhängig davon, wie gut das Trading läuft.
Hinzu kommt die Frage nach Kapitalrückführungen. Die CET1-Quote und der Management-Kommentar zu Buybacks und Dividenden werden genau gelesen, besonders im Kontext der laufenden Basel-Regulierungsdebatte. Nach der Kursrallye ist die Toleranz für Enttäuschungen bei einem dieser Punkte gering.
