Ende Mai lieferte Zscaler sein nach eigener Darstellung stärkstes Quartal: Umsatz +25 % auf 850,5 Mio. USD, Non-GAAP-EPS von 1,08 USD, beides über Konsens. Der Markt dankte es mit einem Kurssturz von rund 30 %. Der Grund war nicht das Quartal selbst, sondern was danach kommen soll: ARR- und Umsatzwachstum von 16–17 % für GJ 2027, deutlich unter dem, was Investoren eingepreist hatten.
Dieser Bewertungsrahmen ist seither nicht verschwunden. An einem Tag, an dem der Nasdaq 100 breiter nachgibt und Wachstumswerte als erste verkauft werden, ist Zscaler genau das: ein hochbewerteter Software-Name mit frisch gesenkter Wachstumserwartung und zwei abgegangenen Vertriebsmanagern im Rücken. Kein neues Unternehmensereignis treibt den heutigen Rückgang, aber das braucht es auch nicht.
Cantor Fitzgerald hält die Aktie weiter auf „Overweight”, verweist aber darauf, dass Zscaler mehr als 45 % unter dem 52-Wochen-Hoch notiert. Stifel bestätigt die Kaufempfehlung und betont den KI-Sicherheits-Hebel. Das durchschnittliche Kursziel liegt je nach Quelle zwischen 195 und 224 USD, was strukturell positiv klingt, aber wenig hilft, wenn der Markt gerade Wachstumsprämien abbaut.
Das eigentliche Problem ist die Positionierung im Sektor: Morningstar beschreibt, wie die KI-Euphorie die Renditedifferenzen in Tech vergrößert. Klassische SaaS-Security-Plays ohne klar quantifizierten KI-Hebel werden als „Source of Funds” genutzt, während Kapital in KI-Infrastruktur rotiert. Zscaler kommuniziert KI-Sicherheit als Wachstumstreiber, hat aber noch keinen Beweis geliefert, der die Bewertung auf dem alten Niveau rechtfertigt.
Der nächste Earnings Call liegt in rund 78 Tagen. Bis dahin fehlt ein konkreter Katalysator, der die Wachstumsdebatte neu eröffnen könnte.
