Seit dem 26. Mai läuft bei ConocoPhillips ein negativer Mittelfristtrend, der sich heute mit einem Tagesverlust von rund 3,95 % weiter fortgesetzt hat. Eine unternehmensspezifische Meldung, die diesen Move erklären würde, ist nicht dokumentiert. Was vorliegt, ist ein Muster: Der Exploration- und Produktionssektor steht insgesamt unter Druck, und ConocoPhillips trägt diesen Druck überproportional mit.
Das ist insofern bemerkenswert, als die Bewertungskennzahlen eigentlich keine Panik rechtfertigen. Ein KGV von 14,74 ist für einen integrierten E&P-Konzern dieser Größe nicht ambitioniert, die Dividendenrendite von 3,40 % gibt Langfristinvestoren einen realen Puffer. Trotzdem: Wer auf die Quartalszahlen schaut, findet einen EPS von 1,23 gegenüber einem Konsens von 2,09 — ein deutlicher Fehlbetrag, der zwar nicht heute passiert ist, aber das Vertrauen in die Gewinnschätzungen für die kommenden Quartale belastet.
Der nächste Earnings Call ist für den 6. August angesetzt. Das sind noch rund 52 Tage — zu weit weg, um als direkter Positionierungsanker zu wirken, aber nah genug, dass der Markt anfängt, die Ölpreis-Entwicklung und die Cashflow-Erwartungen für Q2 einzupreisen. Wenn der Rohölpreis in diesem Zeitraum weiter nachgibt, wird die Guidance-Frage im August unangenehm.
Die Analystenstimmung bleibt derweil auffällig stabil: 49 % Strong Buy, 19 % Buy, 34 % Hold — kein einziges Sell-Rating laut wallstreet-online. Das ist ein Widerspruch, den der Markt gerade auflöst, indem er einfach verkauft. Ob die Analysten recht behalten oder ob der Kurs die realistischere Einschätzung liefert, wird der August zeigen.
