COBOL läuft auf Millionen von Mainframes, die IBM wartet, modernisiert und mit Dienstleistungen umhüllt. Genau dieses Geschäft hat Anthropic heute ins Visier genommen: Das Unternehmen gab bekannt, dass sein KI-Modell Claude Code in der Lage sei, COBOL-Code automatisiert zu verarbeiten und zu modernisieren. Für IBM-Investoren war das kein abstraktes Technologiethema, sondern ein direkter Angriff auf eine der stabilsten Einnahmequellen des Konzerns.
Die Reaktion fiel entsprechend aus. IBM verlor im Tagesverlauf rund 13 Prozent — der stärkste Einbruch seit mehr als 25 Jahren. An deutschen Handelsplätzen war die Bewegung mit minus sechs bis sieben Prozent etwas gedämpfter, aber klar im Minus. Gleichzeitig verlor der Dow Jones rund 800 Punkte, was den Ausverkauf in ein breiteres Marktumfeld einbettet. IBM war aber kein Mitläufer: Der Kursrückgang war deutlich steiler als der Marktschnitt.
Das ist das eigentliche Problem. IBM hat in den vergangenen Jahren intensiv kommuniziert, wie sehr der Konzern auf KI setzt — Watson, watsonx, Partnerschaften mit Hyperscalern. Doch wenn ein Wettbewerber genau die Legacy-Modernisierung angreift, die IBM als Brücke zwischen Vergangenheit und KI-Zukunft positioniert hat, dann bröckelt diese Erzählung. Nicht weil Claude Code IBM morgen ersetzt, sondern weil Kunden anfangen zu rechnen.
Frische Analystenkommentare oder konkrete Downgrades lagen zum Handelsschluss nicht vor. Der nächste Earnings Call steht in rund 49 Tagen an — bis dahin dürfte die Frage, wie IBM auf die Anthropic-Ankündigung reagiert, die Diskussion bestimmen. Eine überzeugende Antwort hat der Konzern bislang nicht geliefert.
