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Marktbericht
4 min

Arm Holdings mit KGV 316 und +27 % in vier Wochen — wer zahlt hier noch gerne den dreizehnfachen Sektorpreis?

Arm Holdings läuft +27 % in vier Wochen, kostet aber das 13-Fache des Sektor-Medians beim KGV. Emplocity schießt +204 % in vier Wochen — bei einer Marktkapitalisierung von einer Million Euro.

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Brot beim Bäcker — und der Nachbar zahlt für dasselbe Brot das Dreizehnfache, weil auf der Tüte „KI” steht. Absurd? Im Technologiesektor ist das gerade Realität. Arm Holdings kostet beim KGV das 13-Fache des Sektordurchschnitts, läuft dabei aber tatsächlich schneller als fast alles andere im Sektor. Die Frage ist nicht, ob das Brot gut ist. Die Frage ist, ob es das wert ist.

Was der Makrorahmen gerade sagt

Deutschland wächst. Aber nur knapp: Das BIP legte zuletzt um 0,24 % zu — das ist kein Aufschwung, das ist Stillstand mit Vorzeichen. Die Industrieproduktion dagegen zeigt +25 % im Jahresvergleich, was auf den ersten Blick stark wirkt, aber stark von Basiseffekten aus dem Vorjahr beeinflusst sein dürfte. Die Inflation liegt bei 2,17 % — nah am EZB-Ziel, kein akutes Problem. Die Arbeitslosenquote von 3,8 % ist stabil.

Für den Technologiesektor bedeutet das: kein Rückenwind aus der Konjunktur, aber auch kein Gegenwind aus der Inflation. Die Zinsdiskussion bleibt das eigentliche Thema — und die Unsicherheit rund um die US-Geldpolitik hat laut Marktteilnehmern die Risikobereitschaft in der vergangenen Woche spürbar begrenzt.

Sektorperformance: Technologie läuft dem DAX weit voraus

Der DAX verlor in den vergangenen vier Wochen 4,37 %, legte über 13 Wochen aber 2,99 % zu. Der Technologiesektor zeigt ein ganz anderes Bild: Das durchschnittliche Momentum liegt bei +44,97 % — die relative Stärke gegenüber dem DAX beträgt 46,32 Prozentpunkte. Das ist kein kleiner Unterschied, das ist eine andere Liga.

Im TecDAX war die vergangene Woche trotzdem unruhig. Montag -0,54 %, Dienstag +0,55 %, Mittwoch -0,41 % — und zum Wochenende hin weiterer Druck. Halbleiterwerte wie Infineon, AIXTRON und Siltronic gaben deutlich nach. SAP, Nemetschek und TeamViewer hielten sich besser. Das zeigt: Innerhalb des Sektors gibt es erhebliche Unterschiede. Wer pauschal „Technologie” kauft, kauft auch die schwachen Teile mit.

Blue Chips: Arm Holdings und Sandisk

Arm Holdings (O9T) ist der Chip-Architekt hinter einem Großteil der weltweit verbauten Prozessoren — von Smartphones bis zu KI-Servern. Das Unternehmen verkauft keine Chips, sondern Lizenzen für Chip-Designs. Das Geschäftsmodell ist kapitalarm und skalierbar.

Die Zahlen sind trotzdem schwer zu verdauen. Das KGV — also wie viele Jahre Gewinn man für den aktuellen Aktienkurs bezahlt — liegt bei 316. Der Sektor-Median liegt bei 24,2. Das bedeutet: Arm kostet beim KGV das 13-Fache des Durchschnitts. Das EV/EBITDA — ein Maß dafür, wie teuer ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist — liegt bei 304, während der Sektor-Median bei 19,7 liegt. Das ist kein Aufschlag mehr, das ist eine eigene Bewertungskategorie.

Gleichzeitig: +27,25 % in vier Wochen, +10,27 % über 13 Wochen. Das Momentum ist real. Wer auf KI-Infrastruktur setzt, kommt an Arm kaum vorbei — das Unternehmen ist in diesem Narrativ tief verankert. Aber bei einer Marktkapitalisierung von 293,7 Mrd. EUR und einem EPS von 0,87 EUR ist die Bewertung auf Perfektion ausgerichtet. Jede Enttäuschung beim Wachstum trifft hier doppelt.

Sandisk (BW9) stellt Speicherlösungen her — Flash-Speicher, SSDs, Speicherkarten. Das Geschäft ist zyklisch und hängt stark an Speicherpreisen und Nachfrage aus der Consumer- und Rechenzentrumsbranche.

Sandisk ist das genaue Gegenteil von Arm: KGV exakt am Sektor-Median von 24,2, EV/EBITDA exakt am Sektor-Median von 19,7. Kein Aufschlag, kein Abschlag — der Markt bewertet Sandisk als typischen Sektorvertreter. Das EPS liegt bei 64,4. Das Momentum ist solide: +24,37 % in vier Wochen, +14,97 % über 13 Wochen. Wer Technologie-Exposure ohne Bewertungsprämie sucht, findet hier eine klarere Ausgangslage als bei Arm.

Nebenwerte: Emplocity und Dynamite Blockchain

Emplocity SA (V6A) zeigt +203,85 % in vier Wochen und +159,02 % über 13 Wochen. Das KGV liegt bei 14,5 — weit unter dem Sektor-Median. Das EV/EBITDA von 11,2 liegt ebenfalls deutlich unter dem Sektor-Median von 19,7. Auf dem Papier sieht das nach einer günstigen Wachstumsaktie aus.

Ich muss hier aber ehrlich sein: Die Marktkapitalisierung beträgt eine Million Euro. Das ist kein Tippfehler. Bei dieser Größe reichen wenige Käufer, um den Kurs zu verdreifachen — und wenige Verkäufer, um ihn zu halbieren. Liquidität ist hier das zentrale Risiko. Wer einsteigt, muss wissen, dass er möglicherweise nicht zum gewünschten Preis wieder herauskommt. Ich sehe die Zahlen, aber ich sehe auch, dass sie bei dieser Marktgröße wenig aussagen.

Dynamite Blockchain Corp. (EVB) zeigt +20 % in vier Wochen, aber 0 % über 13 Wochen — das Momentum ist also sehr kurzfristig. Das EV/EBITDA ist negativ (-1,11), was bedeutet: Das Unternehmen erwirtschaftet kein positives operatives Ergebnis. Die Marktkapitalisierung liegt bei null — oder so nah daran, dass keine verlässliche Einordnung möglich ist. Kein KGV, keine Gewinnbasis, kein tragfähiges Fundament für eine Einschätzung. Ich lasse das hier stehen, ohne eine These dazu zu formulieren.

Sentiment-Signal

Für diese Woche liegen keine Divergenz-Signale vor — weder Titel mit positivem Momentum bei negativem Sentiment noch umgekehrt. Das bedeutet nicht, dass alles ruhig ist. Es bedeutet, dass die Datenlage hier keine zusätzliche Orientierung liefert. Im TecDAX war die Stimmung laut Marktberichten gespalten: US-Tech-Quartalsberichte von Nvidia, Salesforce und CrowdStrike sorgten für Impulse, aber die Unsicherheit rund um die US-Geldpolitik dämpfte die Risikobereitschaft. Das ist kein widersprüchliches Signal — das ist ein Markt, der auf den nächsten klaren Impuls wartet.

Fazit und Empfehlung

Der Technologiesektor läuft dem Gesamtmarkt weit voraus — aber innerhalb des Sektors liegen Welten zwischen den einzelnen Titeln. Arm Holdings ist das teuerste Brot im Regal, und der Markt zahlt den Preis gerne, solange das KI-Narrativ trägt. Sandisk ist das faire Angebot daneben: kein Aufschlag, solides Momentum, klare Bewertungsgrundlage.

Meine Empfehlung: Wer Arm Holdings bereits hält, sollte die Bewertung regelmäßig gegen die tatsächliche Gewinnentwicklung prüfen — das EPS von 0,87 EUR ist die entscheidende Variable. Steigen die Gewinnschätzungen nicht mit dem Kurs, wird die Bewertung irgendwann zur Last. Wer neu einsteigen möchte, findet bei Sandisk eine ruhigere Ausgangslage. Die Nebenwerte lasse ich in dieser Woche außen vor — die Datenlage trägt keine belastbare These.

Das Brot beim Bäcker schmeckt in beiden Fällen gleich. Aber der Preis auf der Tüte ist ein Unterschied, den man nicht ignorieren sollte.

Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
— Team Sesselmann

Der Technologiesektor läuft dem DAX um 46 Prozentpunkte davon. Das ist beeindruckend — doch die Bewertungen klaffen extrem auseinander. Arm Holdings steht bei einem KGV von 316; der Sektor-Median liegt bei 24,2. Das ist kein Aufschlag, das ist eine eigene Preiskategorie. Sandisk dagegen notiert exakt am Median — gleiches Sektor-Exposure, ohne Prämie. Wer Arm hält, sollte das EPS von 0,87 EUR sehr genau im Blick behalten.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

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