Morgen nach US-Börsenschluss, am 15. April 2026, legt ASML Holding seine Quartalszahlen für Q1 2026 vor. Der niederländische Halbleiterausrüster ist de facto ein Monopolist bei EUV-Lithografiemaschinen – und damit ein Gradmesser für die gesamte Chipindustrie. Die Erwartungen sind solide, doch der Teufel steckt wie so oft im Detail.
Was Analysten erwarten
Der Konsens von 19 Analysten liegt beim Gewinn je Aktie (EPS) bei 6,50 EUR – gegenüber 6,00 EUR im Vorjahresquartal ein Anstieg von rund acht Prozent. Die Schätzung auf aktien.live liegt mit 6,64 EUR leicht darüber und signalisiert, dass einzelne Häuser optimistischer sind als der Gesamtmarkt. Beim Umsatz rechnet der Konsens mit 8,52 Milliarden Euro, was einem Wachstum von gut zehn Prozent gegenüber Q1 2025 (7,74 Mrd. EUR) entspräche. ASML selbst hatte eine Bandbreite von 8,2 bis 8,9 Milliarden Euro in Aussicht gestellt – der Konsens liegt damit am unteren Ende der eigenen Guidance.
Besonders im Blick: die Bruttomarge. ASML peilt 51 bis 53 Prozent an. Jeder Basispunkt darunter dürfte den Kurs belasten.
Bewertungskontext
Für das Gesamtjahr 2026 erwarten 37 Analysten im Schnitt einen EPS von 29,73 EUR – ein Plus von rund 20 Prozent gegenüber 2025. Der Umsatz soll auf 37,53 Milliarden Euro klettern. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel von 35 Analysten liegt bei 1.414 EUR. Bullishere Häuser wie Bernstein (Ziel: 1.300 EUR) und Rothschild Redburn (1.250 EUR) sehen Kaufpotenzial, während skeptischere Stimmen auf regulatorische Risiken und China-Unsicherheiten verweisen. Die Aktie verlor zuletzt in einer Woche rund 2,4 Prozent.
Was Anleger jetzt beachten sollten
- Auftragseingang: Der Rekordauftragsbestand von 38,8 Milliarden Euro ist beeindruckend – entscheidend ist aber, wie schnell er sich in Umsatz wandelt. Rothschild Redburn erwartet für Q4 einen Eingang von 7,05 Mrd. EUR, der Marktkonsens nur 6,25 Mrd. EUR.
- China-Anteil: Exportbeschränkungen und rückläufige China-Importe könnten auf die Marge drücken. Dieser Faktor ist noch nicht vollständig eingepreist.
- MATCH Act: Das regulatorische Umfeld rund um den MATCH Act gewinnt an Bedeutung für die Bewertung und könnte im Ausblick thematisiert werden.
- Capex-Stimmung der Kunden: Aussagen von TSMC, Samsung und Intel zur Investitionsplanung dürften ASMLs Auftragsausblick direkt beeinflussen.
Norberts Einordnung
ASML bleibt strukturell eines der stärksten Unternehmen im Technologiesektor – kein anderer Anbieter kann EUV-Maschinen bauen, und die KI-getriebene Chipnachfrage ist real. Kurzfristig aber sehe ich das Risko-Rendite-Verhältnis als ausgewogen: Der Kursrückgang der letzten Woche spiegelt echte Unsicherheiten wider, und eine enttäuschende Marge oder ein schwacher Auftragseingang könnte weiteren Druck erzeugen. Wer bereits investiert ist, sollte morgen Abend besonders auf den Ausblick für Q2 und die Kommentare zum China-Geschäft achten – dort entscheidet sich, ob die aktuelle Bewertung gerechtfertigt ist.
