Bank of America hat das Kursziel für Micron Technology zuletzt auf 950 USD angehoben und begründet das mit der strukturell wachsenden Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Das klingt bullish — und ist es auch, gemessen an den Quartalszahlen vom März: Umsatz 23,9 Mrd. USD (+196 % gegenüber Vorjahr), Nettogewinn 13,8 Mrd. USD (+771 %). Zahlen, die in der Halbleiterbranche selten so kompakt ausfallen.
Was die Einordnung des heutigen Tagesgewinns von rund 4 % erschwert: Die Datenlage ist uneinheitlich. Verschiedene Plattformen zeigen für denselben Handelstag Bewegungen zwischen -7,8 % und +3,4 %, was auf erhebliche Kursvolatilität oder Datenverzögerungen hindeutet. Ein klarer unternehmensspezifischer Tages-Katalysator ist nicht erkennbar.
Was sich aber sagen lässt: Micron hat am 11. Mai 2026 ein 52-Wochen-Hoch bei 818,67 USD markiert. Wer das BofA-Ziel von 950 USD ernst nimmt, sieht von dort noch rund 16 % Luft. Wer die 704-%-Rally der vergangenen zwölf Monate als Maßstab nimmt, fragt sich, wie viel KI-Nachfrage bereits eingepreist ist.
Geopolitische Spannungen rund um den Iran belasten den breiteren Tech-Sektor, und nach einer Rally dieser Größenordnung sind Gewinnmitnahmen keine Überraschung. Die negative Analystenhaltung, die seit dem 8. Mai vermerkt wird, steht dabei im direkten Widerspruch zum BofA-Upgrade — ein Widerspruch, den der Markt offenbar noch nicht aufgelöst hat.
Micron ist fundamental eine andere Aktie als vor zwei Jahren. Aber Bewertungen, die auf einer KI-Nachfrage-Projektion basieren, die sich noch beweisen muss, haben ihre eigene Logik — und ihre eigene Fallhöhe.
