Am 4. Mai 2026 öffnet Berkshire Hathaway die Bücher für das erste Quartal. Es ist gleichzeitig der erste offizielle Zahlenauftritt unter dem neuen CEO Greg Abel, der Warren Buffett an der Spitze abgelöst hat. Das allein macht diesen Berichtstermin zu einem der meistbeachteten des Jahres im Finanzsektor – unabhängig von den reinen Zahlen.
Analystenerwartungen: Deutlicher EPS-Rückgang eingepreist
Der Analysten-Konsens für das Q1-EPS liegt bei rund 5,51 USD (4 Analysten), während einzelne Schätzungen auch bei 5,34 USD angesetzt sind. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal Q1 2025 erzielte Berkshire noch 9,13 USD je Aktie – der erwartete Rückgang von rund 40 % ist erheblich. Beim Umsatz rechnen Analysten mit ca. 96,98 Mrd. USD, ein leichtes Plus von 2,2 % gegenüber dem Vorquartal (94,92 Mrd. USD). Für das Gesamtjahr 2025 liegt die Umsatzprognose bei rund 385–386 Mrd. USD.
Bewertungskontext: Kurs unter Kursziel, Bewertung moderat
Die BRK-B-Aktie notiert aktuell bei rund 474 USD (~408 EUR), was einem Rückgang von knapp 4 % seit Jahresbeginn entspricht. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel der Analysten liegt bei 524 USD, was ein Aufwärtspotenzial von rund 10,5 % impliziert. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis auf TTM-Basis beträgt etwa 15,3 – für ein Konglomerat dieser Qualität und Diversifikation historisch keine Überbewertung. Das Fair-Value-Band liegt je nach Modell zwischen 471 und 576 USD.
Was Anleger im Blick haben sollten
- Kapitalallokation unter Abel: Berkshire sitzt auf einem Kassenbestand von über 330 Mrd. USD. Ob und wie Abel diesen einsetzt – Aktienrückkäufe, Akquisitionen, Aufstockung bestehender Positionen – wird der Markt genau analysieren.
- Versicherungssparte: GEICO und die Rückversicherungseinheiten sind zentrale Ergebnistreiber. Katastrophenschäden im ersten Quartal könnten die Combined Ratio belasten.
- Beteiligungsportfolio: Schwankungen bei Apple, Bank of America und anderen Kerninvestments belasten das GAAP-Ergebnis – der operative Gewinn ist hier der aussagekräftigere Indikator.
- Insider-Sentiment: In den letzten 90 Tagen gab es 0 Käufe und 8 Verkäufe durch Insider. Das ist kein Alarmzeichen per se, aber auch kein Signal innerer Überzeugung.
- Führungswechsel-Prämie: Der Markt beobachtet, ob Abel den “Buffett-Stil” kommunikativ fortführt oder eigene Akzente setzt – das jährliche Aktionärsmeeting am selben Wochenende verstärkt die Aufmerksamkeit.
Norberts Einordnung
Der EPS-Rückgang ist weitgehend bekannt und technisch getrieben – wer Berkshire wegen eines Quartals verkauft, versteht das Geschäftsmodell nicht. Entscheidend ist, was Greg Abel kommuniziert: Bleibt der Kapitaleinsatz diszipliniert oder setzt er ein erstes eigenes Kaufsignal? Genau das wird die Aktie am 5. Mai bewegen – nicht die 5,51 USD EPS.
