Bernstein hat das Kursziel für Sandisk erst am 30. Juni auf 3.000 USD angehoben, begründet mit struktureller KI-Nachfrage, steigenden NAND-Preisen und vertraglich gesicherten Erlösen. Einen Tag später notiert die Aktie erneut rund 9,5 Prozent tiefer. Das ist kein Widerspruch, sondern eine ziemlich klassische Konstellation: Analysten laufen einer Bewegung nach, die der Markt bereits zu korrigieren begonnen hat.
Die Ausgangslage ist eindeutig überdehnt. Sandisk gehört im ersten Halbjahr 2026 zu den extremsten Performern am US-Markt, mit einem Kursanstieg von rund 820 Prozent seit Jahresanfang. Allein im Juni legte die Aktie zeitweise 40 Prozent zu und überschritt dabei kurzzeitig den durchschnittlichen Analystenkonsens von 1.751 USD — ein Signal, das technisch orientierte Investoren als Ausstiegspunkt lesen. Laut TradingKey ist der Kurs in den letzten fünf Handelstagen bereits um rund 20 Prozent gefallen, bevor der heutige Rückgang hinzukam.
Den unmittelbaren Auslöser für den Einbruch vom 29. Juni lieferte eine Sammelklage gegen Samsung Electronics, SK Hynix und Micron Technology wegen mutmaßlicher Preismanipulation im Speicherchip-Markt. Sandisk ist nicht beklagt, aber der Sektor reagierte mit breiten Abgaben: Micron verlor an dem Tag rund 7 Prozent, ASML ebenfalls 7 Prozent. Solche regulatorischen Schocks treffen hochgelaufene Titel überproportional, weil sie als Vorwand für Gewinnmitnahmen dienen, die ohnehin fällig waren.
Morgan Stanley hatte Anfang Juni das Kursziel von 1.100 auf 1.750 USD erhöht und die EPS-Schätzungen für 2026 und 2027 deutlich nach oben revidiert. Die fundamentale Story — hohe Bruttomargen, mehrheitlich Kauf-Ratings — ist damit nicht gebrochen. Aber eine Aktie, die in sechs Monaten um das Neunfache gestiegen ist, braucht keine schlechten Nachrichten, um zu fallen. Sie braucht nur das Ausbleiben neuer Käufer.
