Wer eine Aktie innerhalb von gut einem Jahr um mehr als 4.000 Prozent nach oben treibt, schafft zwangsläufig eine Konstruktion, die bei der kleinsten Sentimentverschiebung kippt. Genau das passiert heute bei Sandisk.
Der unmittelbare Auslöser kam aus einer anderen Ecke: Investor Michael Burry hat neue Short-Positionen gegen den KI- und Halbleitersektor offengelegt. Die Meldung reichte, um Speicherchipwerte bereits vorbörslich zu belasten — Micron verlor rund zwei Prozent, Sandisk fast vier, Seagate anderthalb. Im regulären Handel weitete sich der Rückgang bei Sandisk auf gut elf Prozent aus.
Hinzu kommen strukturelle Sorgen: Samsung und SK Hynix planen Kapazitätserweiterungen im NAND-Segment. Das gefährdet die Knappheitsstory, auf der ein erheblicher Teil der Sandisk-Bewertung aufbaut. Parallel kursierten Berichte, wonach Meta überschüssige Cloud-Kapazitäten verkaufen will — ein Signal, das Zweifel an der Nachhaltigkeit des KI-Infrastrukturzyklus nährt, auch wenn der direkte Bezug zu Sandisk dünn ist.
Das Pikante: Die Analysten haben ihre Meinung nicht geändert. Bank of America hält ein Kursziel von 2.500 USD, Goldman Sachs erwartet ein „sehr starkes Quartal” und nennt 2.200 USD als Ziel. Wedbush rechnet ebenfalls mit einem Earnings Beat. Der Konsens der Kursziele liegt in einem Bereich, der noch vor wenigen Wochen deutlich über dem damaligen Kurs lag — heute notiert die Aktie bei rund 1.566 USD, also bereits unterhalb mehrerer Zielmarken.
Das ist kein Widerspruch, den man glätten sollte: Positive Analystenmeinungen und ein zweistelliger Tagesverlust schließen sich nicht aus, wenn die Positionierung das eigentliche Problem ist. Sandisk ist ein klassischer Crowded Trade — hohe Konzentration, dünner Free Float, extreme Momentum-Wette. In solchen Konstellationen genügt ein öffentlichkeitswirksamer Short-Seller und ein paar Angebotsschlagzeilen, um eine Kettenreaktion auszulösen.
Der nächste Earnings-Termin liegt im August. Bis dahin bleibt die Frage, ob die NAND-Knappheit und die Enterprise-SSD-Nachfrage tatsächlich so stark bleiben, dass die Bewertung nachträglich gerechtfertigt wird — oder ob der heutige Rückgang erst der Anfang einer längeren Neubewertung ist.
