Morgan Stanley hält ein Kursziel von 415 USD bei einem Rating, das offiziell „Equal Weight” lautet — also kein Kaufsignal, aber ein implizites Aufwärtspotenzial von rund 19 % gegenüber dem aktuellen Kurs. Das ist die Art von Widerspruch, die Tesla-Analysten seit Monaten begleitet: die Zahlen sagen eine Sache, die Story eine andere.
Am 19. August sprangen die Aktien um bis zu 4,2 % auf 351,23 USD, nachdem Genehmigungsunterlagen zeigten, dass Tesla in Austin einen dedizierten kabellosen Lade-Hub für die Cybercab-Flotte baut. Das ist kein Produktlaunch, sondern ein Infrastrukturschritt — aber für Anleger, die auf das Autonomie-Narrativ setzen, reicht das als Signal. Am heutigen Handelstag setzt sich die Bewegung mit einem Plus von rund 4,9 % fort, diesmal ohne neue Tesla-spezifische Meldung. Mega-Cap-Technologiewerte legen breit zu, Treasury-Renditen geben nach, und TSLA profitiert als hochbewerteter Growth-Titel überproportional davon.
Das fundamentale Bild bleibt schwierig. Im zweiten Quartal erzielte Tesla einen Non-GAAP-EPS von 0,33 USD — der Konsens lag bei rund 0,54 USD, ein Miss von 38 %. Der Umsatz übertraf die Erwartungen um 7 % und wuchs 25 % gegenüber dem Vorjahr, aber die operative Marge fiel auf rund 1 %. Das erklärt, warum der Konsens trotz hoher Kursziele bei „Hold” verharrt.
Die Kursziele klaffen weit auseinander: Stifel Nicolaus sieht 491 USD, Dan Ives von Wedbush 600 USD — letzteres mit der Begründung, Tesla sei primär ein KI- und Robotics-Unternehmen. Der Konsensschnitt liegt bei 401 bis 402 USD. GLJ Research hält dagegen an einem Verkaufsrating fest. Wer hat recht, hängt davon ab, ob Cybercab jemals die Margen liefert, die das Narrativ verspricht — und danach sieht es mit 1 % operativer Marge im letzten Quartal noch nicht aus.
