Nagarro SE legt am 15. Mai 2026 nach Handelsschluss die Quartalszahlen vor. Im Mittelpunkt steht nicht die Vergangenheit, sondern die Frage, ob das Münchner IT-Dienstleistungsunternehmen seinen eigenen 2026er Ausblick im ersten Quartal bereits untermauern kann.
Was auf dem Spiel steht
Das Geschäftsjahr 2025 endete mit einem Umsatz von 999,3 Mio. EUR, einem Plus von 2,8 % nominal und 6,1 % währungsbereinigt. Klingt solide — bis man auf das bereinigte EBITDA schaut, das auf 138,2 Mio. EUR sank, bei einer Marge von 13,8 %. Das Periodenergebnis fiel auf 39,5 Mio. EUR, belastet durch Wechselkursverluste und Einmaleffekte in Indien. Für 2026 stellt das Management einen Umsatz von 1,00 bis 1,06 Mrd. EUR und eine bereinigte EBITDA-Marge von 14,5 bis 15,5 % in Aussicht. Das Q1-Ergebnis ist der erste Datenpunkt, ob dieser Margensprung realistisch ist oder nur Planung auf Papier.
Analystenerwartungen
Konkrete EPS- oder Umsatzschätzungen für Q1 2026 liegen im öffentlich zugänglichen Konsens nicht detailliert vor. Was bekannt ist: Zwei Analysten haben im März 2026 Kaufempfehlungen ausgegeben, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 90,50 EUR. Beim letzten XETRA-Kurs von rund 47,28 EUR entspricht das einem impliziten Aufwärtspotenzial von gut 43 %. Die Erwartungshaltung ist also konstruktiv — aber sie basiert auf der Annahme, dass Nagarro die Margenziele tatsächlich erreicht.
Bewertungskontext
Bei einem Kurs von 47,28 EUR und einem Periodenergebnis von 39,5 Mio. EUR für 2025 ist die Bewertung nicht billig, aber auch nicht absurd. Der Cashbestand lag Ende 2025 bei 124,6 Mio. EUR, gesunken unter anderem wegen Aktienrückkäufen. Der Vorstand schlägt eine Dividende von 1,00 EUR je Aktie vor — ein Signal, dass man trotz Gewinnrückgang an der Kapitalrückführung festhält. Das ist eine Wette auf die Margenverbesserung 2026, keine Absicherung gegen sie.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte werden die Kursreaktion nach den Zahlen bestimmen. Erstens: Bestätigt oder hebt Nagarro den 2026er Ausblick an? Jede Absenkung dürfte den Kurs hart treffen, weil die Analystenziele darauf aufbauen. Zweitens: Wie entwickelt sich die Gross Margin? Sie lag 2025 bei 32,2 % — ein Rückgang würde zeigen, dass der Kostendruck anhält. Drittens: Was sagt der neue CFO Prateek Aggarwal, der am 1. Mai 2026 seinen Dienst antrat, zum Thema Währungsrisiken und operative Hebelwirkung? Sein erster Auftritt vor Analysten ist ein eigener Informationsträger. Wer auf die 90-EUR-Kursziele der Analysten setzt, braucht heute Abend Belege — nicht nur Bekräftigungen.
