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Q-Bericht
2 min

EPS halbiert, KGV bei 30: Kann Evonik die gesenkten Erwartungen noch verfehlen?

Der Analystenkonsens erwartet für Q1 2026 ein EPS von 0,28 EUR — weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts von 0,59 EUR. Die Frage ist nicht mehr, ob es schwach wird, sondern ob der Markt das bereits eingepreist hat.

Überblick

Evonik Industries veröffentlicht heute nach Börsenschluss die Ergebnisse für das erste Quartal 2026. Der Essener Spezialchemiekonzern tritt in diesen Berichtstag mit deutlich gesenkten Erwartungen an — und einem Aktienkurs, der trotzdem ein KGV von rund 30 trägt. Das Missverhältnis zwischen Bewertung und Gewinnentwicklung ist der eigentliche Spannungspunkt.

Analystenerwartungen

Der Konsens von sechs Analysten liegt beim Umsatz bei rund 3.478 bis 3.596 Mio. EUR, nach 3.777 Mio. EUR im Vorjahresquartal. Beim bereinigten EBITDA rechnen die Schätzungen mit 448 Mio. EUR — ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber den 560 Mio. EUR aus Q1 2025. Die EBITDA-Marge sinkt damit von 15 auf rund 13 Prozent.

Das bereinigte EPS wird im Bereich 0,27 bis 0,31 EUR erwartet, der Mittelpunkt liegt bei 0,28 EUR. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal waren es 0,59 EUR. Der Gewinn je Aktie hat sich also nahezu halbiert — und das ist bereits der Konsens, keine pessimistische Außenseiterprognose.

Auf Segmentebene fällt besonders Advanced Technologies auf. Vara Research erwartet dort ein bereinigtes EBITDA von 212 Mio. EUR bei einer Marge von 14 Prozent — nach 291 Mio. EUR im Vorjahr. Custom Solutions soll mit 230 Mio. EUR und 17 Prozent Marge stabiler abschneiden.

Bewertungskontext

Das aktuelle KGV von rund 30 basiert auf einem Jahres-EPS-Konsens von 1,13 bis 1,30 EUR für 2026. J.P. Morgan hat zuletzt seine EBITDA-Prognose für das Gesamtjahr um 6,8 Prozent auf 1,82 Mrd. EUR gesenkt und das Kursziel auf 14 EUR gesetzt — verbunden mit einem Downgrade von Overweight auf Neutral. Unter den 21 abgedeckten Analysten stehen 9 Kaufempfehlungen 10 Halteempfehlungen und 2 bis 3 Verkaufsempfehlungen gegenüber. Die Dividendenrendite wird auf rund 4,2 Prozent geschätzt, was bei einem freien Cashflow-Ziel von rund 706 Mio. EUR noch tragfähig erscheint.

Was Anleger beachten sollten

Der zentrale Widerspruch: Die Erwartungen wurden deutlich gesenkt, die Bewertung ist aber nicht entsprechend gefallen. Ein KGV von 30 bei einem Unternehmen, dessen Gewinn sich innerhalb eines Jahres halbiert, setzt voraus, dass die Talsohle erreicht ist und die zweite Jahreshälfte eine spürbare Erholung bringt. Ob das realistisch ist, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: dem Verlauf im Segment Advanced Technologies und den Wechselkurseffekten, die laut Analysten einen erheblichen Teil des EBITDA-Rückgangs erklären.

Anleger sollten außerdem auf ein mögliches Guidance-Update für das Gesamtjahr achten. Sollte Evonik die FY-2026-Prognose nach unten anpassen, dürfte das den Druck auf die Bewertung verstärken. Ein Beat beim EBITDA wäre dagegen positiv — aber nur, wenn er von einer stabilen oder angehobenen Jahresprognose begleitet wird. Zahlen allein reichen heute nicht.

Hausmeinung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
Team Sesselmann

Evonik ist kein Kauf, solange das KGV von 30 auf einer Erholungsannahme basiert, die noch nicht belegt ist. Der EBITDA-Rückgang von 20 Prozent in Q1 ist eingepreist — eine Guidance-Senkung für das Gesamtjahr wäre es nicht. Wir beobachten, ob Advanced Technologies im zweiten Quartal dreht; bis dahin ist Halten die vernünftigere Position.

Quellen & Fußnoten
  1. Evonik Q1 EBITDA bei 448 Millionen Euro erwartet
  2. Evonik: J.P. Morgan senkt Daumen — neues Kursziel 14 Euro
  3. Evonik Schätzungen und Analystenprognosen
  4. Evonik Investor Relations — Reporting

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