Am 3. September 2026 legt Copart nach Börsenschluss die Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Der Termin kommt zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt: Der Kurs ist in den vergangenen 30 Tagen um rund 23 Prozent gestiegen, getrieben von einem CEO-Wechsel und Übernahmespekulationen. Die Erwartungslage ist damit deutlich höher als das, was die nackten Konsensschätzungen vermuten lassen.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt bei 0,39 USD EPS für das Quartal per 31. Juli 2026, Analystenspanne 0,37 bis 0,39 USD. Das sind vier Cent weniger als die 0,43 USD, die Copart im Vorquartal berichtete, und entspricht laut Zacks einem Rückgang von rund 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr erwartet der Konsens 1,58 USD EPS bei einem Umsatz von 4,63 Mrd. USD, beides leicht unter Vorjahr. Das letzte gemeldete Quartal lag mit 1,24 Mrd. USD Umsatz und 0,43 USD EPS jeweils über den damaligen Schätzungen, was die Messlatte für einen erneuten Beat entsprechend höher setzt.
Bewertungskontext
Auf Basis des Konsens-Jahres-EPS von 1,58 USD handelt Copart auf einem Forward-KGV von rund 20 bis 21. Das ist ein Quality-Multiple ohne nennenswerten Wachstumsaufschlag: Der Konsens preist für das laufende Jahr ein stagnierendes Gewinnniveau ein, während der Kurs zuletzt deutlich zugelegt hat. BlackRock hat im August eine neue Position von rund 1,91 Mrd. USD aufgebaut, mehrere weitere institutionelle Investoren haben ebenfalls zugekauft. Das stützt die Bewertung, macht sie aber nicht günstiger. Barclays hat sein Kursziel zuletzt von 26 auf 25 USD gesenkt und das Rating auf „Equal Weight” belassen.
Was Anleger beachten sollten
Das eigentliche Thema des Earnings Calls ist nicht die 0,39-USD-Zahl. Copart sitzt auf rund 4,2 Mrd. USD Cash ohne Schulden, und Bloomberg-Berichte haben das Unternehmen als Interessenten an CCC Intelligent Solutions ins Spiel gebracht, einem Softwareanbieter für Kfz-Versicherungsprozesse. Ob ein solcher Deal strategisch sinnvoll ist, lässt sich diskutieren: Die Vertikalisierung tiefer in Claims-Prozesse hätte eine gewisse Logik, aber Bewertung und Integrationsrisiken sind real. Der Markt wird sehr genau zuhören, was Jay Adair dazu sagt.
Adair ist seit dem 31. Juli 2026 wieder CEO, nachdem Jeff Liaw zurückgetreten ist. Liaw bleibt als Special Advisor. Die Rückkehr des Gründers wurde als Signal für eine aktivere M&A-Phase interpretiert, was den Kursanstieg mitgetragen hat. Fällt der Ton im Call vorsichtiger aus als erwartet, ist das Korrekturpotenzial entsprechend vorhanden.
Operativ achten Analysten auf Versicherungsvolumen, Average Selling Prices der versteigerten Fahrzeuge und Total-Loss-Quoten. Das Wachstum war zuletzt moderat, der Margendruck bleibt ein Thema. Ungewöhnlich hohes Optionsvolumen in den vergangenen Wochen deutet darauf hin, dass der Markt eine ausgeprägte Kursreaktion einkalkuliert, in beide Richtungen.
