Am 10. September 2026 nach US-Börsenschluss veröffentlicht Copart Inc. (CPRT.US) seine Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Der Online-Fahrzeugauktionator ist in einer eigentümlichen Lage: Die Zahlen selbst dürften solide, aber unspektakulär ausfallen — während der Kurs in den Wochen davor bereits kräftig gestiegen ist.
Analystenerwartungen
Der EPS-Konsens liegt bei 0,38 bis 0,39 USD je Aktie, mit einer Bandbreite von 0,37 bis 0,40 USD laut Barchart (vier Analysten). Futunn und MarketBeat nennen präzisere Werte von 0,382 bzw. 0,3819 USD — was gegenüber dem Vorjahresquartal (0,42 USD) einem Rückgang von rund 6 bis 7 Prozent entspräche. Beim Umsatz erwartet der Markt etwa 1,14 Mrd. USD, ein Plus von knapp 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Im direkt vorangegangenen Quartal erzielte Copart 1,24 Mrd. USD Umsatz bei einem EPS von 0,43 USD — das neue Quartal soll also deutlich schwächer ausfallen, was saisonale Muster widerspiegelt, aber dennoch auffällt.
Das Überraschungspotenzial ist bei dieser engen Konsensverteilung hoch. Schon ein Beat von zwei Cent kann Bewegung auslösen; ein Miss dürfte entsprechend schmerzhaft ankommen.
Bewertungskontext
Copart wird aktuell mit einem KGV von rund 20,9 gehandelt, bei einer Marktkapitalisierung von etwa 31,2 Mrd. USD. Das EPS auf Zwölfmonatsbasis liegt bei 1,61 USD, die Jahresschätzungen der Analysten für das laufende Geschäftsjahr bewegen sich um 1,58 USD — also leicht darunter. Das Multiple ist für einen Industrials-Titel nicht günstig, aber Copart hat es über Jahre durch stabile Margen und ein strukturell wachsendes Geschäft (Totalschäden, Versicherungsabwicklung) verteidigt. Ob das auch in einem Quartal mit rückläufigem EPS gelingt, ist die eigentliche Frage.
Institutionelle Investoren haben zuletzt klar zugekauft: BlackRock meldete eine neue Position im Wert von 1,91 Mrd. USD, Deutsche Bank und Handelsbanken Fonder haben ihre Bestände ausgebaut. Auf der anderen Seite hat CEO Jeffrey Liaw Aktien verkauft — das Timing kurz vor Earnings und inmitten von M&A-Gerüchten wird der Markt registrieren.
Was Anleger beachten sollten
Zwei Themen überlagern die reinen Zahlen. Erstens hat JPMorgan Copart von „Neutral” auf „Overweight” hochgestuft und das Kursziel von 32 auf 40 USD angehoben — der Kurs legte daraufhin rund 3 bis 4 Prozent zu. Zweitens kursieren Berichte, wonach Copart zu den Interessenten für CCC Intelligent Solutions gehört, was einen Tagesanstieg von über 6 Prozent ausgelöst hatte. Beide Ereignisse haben positive Erwartungen in den Kurs eingepreist, bevor auch nur eine Zahl veröffentlicht wurde.
Das bedeutet: Ein „Inline”-Quartal mit 0,39 USD EPS und 1,14 Mrd. USD Umsatz könnte trotz erfüllter Erwartungen enttäuschend wirken, wenn das Management keine klaren Signale zu Volumenentwicklung, Margen oder dem möglichen CCC-Deal liefert. Besonders die Auktionsvolumina und die Pricing-Power im Gebrauchtwagenumfeld sind operative Kennzahlen, auf die Investoren genau schauen werden. Ein konservativer Ausblick bei einem Titel mit KGV über 20 ist selten folgenlos.
