Was am 14. Juli auf dem Spiel steht
Goldman Sachs berichtet seine Q2-2026-Zahlen am 14. Juli vor Handelsbeginn. Der Zeitpunkt ist nicht unwichtig: Die Bank eröffnet traditionell die Berichtssaison der großen US-Finanzinstitute, und was Goldman über Deal-Pipeline, Handelsvolumen und Kapitalmarktstimmung sagt, setzt den Ton für die gesamte Branche in den Folgetagen.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt bei einem EPS von 13.64 USD für Q2 2026. Das klingt solide — ist aber ein deutlicher Rückgang gegenüber den 17.55 USD, die Goldman im Vorquartal bei einer Erwartung von 15.92 USD erzielte. Der Umsatz lag in Q1 bei 17.23 Mrd. USD. Für Q2 gibt es keine einheitlich kommunizierte Umsatzschätzung im Konsens, aber der Markt dürfte sich grob in diesem Bereich orientieren. Die Frage ist, ob der niedrigere EPS-Konsens eine echte Abschwächungserwartung widerspiegelt oder ob Analysten schlicht vorsichtiger geworden sind, nachdem Goldman zuletzt so deutlich übertroffen hat.
Bewertungskontext
Goldman Sachs wird aktuell mit einem KGV von rund 18.6 bewertet. Für eine Investmentbank ist das kein Schnäppchenpreis — der Markt preist also weiteres Gewinnwachstum ein. Die Konsensschätzung für das Gewinnwachstum im nächsten Jahr liegt bei rund 11.24 %. Das ist machbar, aber nur wenn Investmentbanking und Handel weiter liefern. Wer zu 18.6x kauft, kauft die Erwartung, nicht die Vergangenheit.
Was Anleger beachten sollten
Drei Bereiche werden den Kurs am Berichtstag bewegen. Erstens die Handelserträge: Goldman ist im Equity- und Fixed-Income-Trading strukturell stark, aber diese Ergebnisse schwanken quartalsweise erheblich. Ein schwaches Handelsquartal kann einen guten Investmentbanking-Monat schnell auffressen. Zweitens das Investmentbanking selbst: M&A-Aktivität und Underwriting waren in Q1 robust — ob das anhält, hängt auch davon ab, wie sich das Zinsumfeld und die Risikobereitschaft der Unternehmen entwickelt haben. Drittens der Ausblick des Managements: Bei Goldman reagiert der Kurs oft stärker auf das, was CEO David Solomon zur Pipeline sagt, als auf die reinen Quartalszahlen. Das Insider-Sentiment gibt keinen Rückhalt: In den letzten 90 Tagen gab es null Käufe und zwei Verkäufe — kein Alarmsignal, aber auch kein Vertrauensbeweis von innen. Hinzu kommt der Makrokontext: FactSet erwartet für den S&P 500 im Q2 2026 ein Gewinnwachstum von 23.1 %, was das Umfeld für Finanzwerte grundsätzlich stützt. Goldman selbst sieht starke Gewinntrends am US-Markt — was für die eigene Branche günstig ist, aber auch die Erwartungshaltung hochschraubt.
