Am 14. Juli, vor dem Marktstart, legt Goldman Sachs seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Das Timing ist nicht unerheblich: Die US-Earnings-Season läuft auf Hochtouren, der Markt rechnet für den S&P 500 mit rund 22 bis 23 Prozent EPS-Wachstum gegenüber dem Vorjahresquartal — und Goldman selbst hat diese Erwartung öffentlich mitgeprägt. Jetzt muss die Bank liefern.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt bei 14,01 USD EPS und einem Umsatz von rund 16,0 Mrd. USD. Das klingt solide, ist aber im Vergleich zum Vorquartal ein deutlicher Rückgang: Im ersten Quartal 2026 hatte Goldman 17,55 USD je Aktie verdient und damit die Schätzung von 15,92 USD klar übertroffen; der Umsatz lag bei 17,23 Mrd. USD, plus 14,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Markt hat diesen Beat eingepreist — und die Hürde für eine positive Kursreaktion ist entsprechend höher.
Für das Gesamtjahr erwartet der Konsens rund 60 USD EPS, für 2027 etwa 67 USD. Das impliziert, dass das zweite Quartal kein Ausreißer nach oben sein muss, aber auch keiner nach unten sein darf.
Das Analystenbild ist gemischt: 10 Kaufempfehlungen stehen 13 Halte-Ratings und einer Verkaufsempfehlung gegenüber, das Konsens-Kursziel liegt bei rund 974 USD. BNP Paribas Exane hat das Ziel zuletzt von 970 auf 940 USD gesenkt und bleibt bei „Neutral” — ein Signal, dass das Upside-Potenzial aus Sicht einiger Häuser begrenzt ist.
Bewertungskontext
Goldman Sachs wird aktuell mit einem KGV von rund 19,0 auf Basis der Trailing-Gewinne (EPS TTM ca. 54,06 USD) bewertet. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 303,8 Mrd. USD. Das ist keine Schnäppchen-Bewertung für eine Bank, die stark vom Kapitalmarktumfeld abhängt — und es erklärt, warum der Markt beim Ausblick genauer hinschaut als bei der reinen EPS-Zahl.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit. Erstens die Zusammensetzung der Erträge: Kommt das EPS aus stabilen Fee-Einnahmen im Asset- und Wealth-Management oder aus volatilen Trading-Ergebnissen? Der Markt honoriert ersteres deutlich stärker. Zweitens die Kapitalrückführung: Nach starken Quartalen achten Investoren auf Signale zu Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufen — zumal das Bewertungsniveau keine großzügige Fehlertoleranz lässt. Drittens der Ausblick des Managements: Goldman hat öffentlich ein S&P-500-EPS-Wachstum von 24 Prozent für 2026 prognostiziert. Wenn CEO David Solomon oder CFO Denis Coleman in der Konferenz einen vorsichtigeren Ton anschlagen, wird das auffallen — und zwar nicht nur für die GS-Aktie.
Insider-Aktivität gibt keinen Rückhalt: In den vergangenen 90 Tagen gab es null Käufe, aber zwei Verkäufe. Das ist kein Alarmsignal, aber auch kein Vertrauensbeweis.
