Am 21. Juli, vor Marktöffnung, legt Charles Schwab seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Auf dem Papier sieht die Ausgangslage komfortabel aus: Der Konsens erwartet 1,53 USD je Aktie — rund 34 % mehr als im Vorjahresquartal — und Nettoerlöse zwischen 6,75 und 6,84 Mrd. USD, was einem Umsatzwachstum von gut 15 bis 17 % entspricht. Zacks weist zudem eine positive Earnings Surprise Probability von +2,30 % aus. Klingt gut. Ist aber auch genau das Problem.
Analystenerwartungen
Der EPS-Konsens wurde in den vergangenen 30 Tagen um 2,2 % nach oben revidiert, zuletzt nochmals leicht angehoben. Das bedeutet: Der Markt hat die Latte bereits höher gelegt, bevor Schwab auch nur eine Zahl genannt hat. Wer jetzt exakt 1,53 USD liefert, überrascht niemanden mehr.
Beim Umsatz liegt die Spanne je nach Quelle zwischen 6,75 Mrd. (Zacks-Konsens) und 6,84 Mrd. USD. Für die einzelnen Erlöskomponenten erwartet der Markt: Net Interest Revenue von 3,28 Mrd. USD (+16,1 % YoY), Asset Management Fees von 1,81 Mrd. USD (+15,4 % YoY) und Bank Deposit Account Fees von rund 314 Mio. USD (+27 % YoY). Das Volljahres-EPS wird je nach Quelle zwischen 6,14 und 7,31 USD gesehen — ein breites Band, das zeigt, wie unterschiedlich Analysten die Normalisierung des Zinsüberschusses einschätzen.
Bewertungskontext
Die Aktie handelt aktuell auf Basis eines Trailing-KGV von rund 20 und einem Forward-Multiple von etwa 15x — was Zacks als „Moderate Buy” mit Zacks Rank #1 einstuft. UBS hat das Kursziel zuletzt von 119 auf 122 USD angehoben und hält an der Kaufempfehlung fest. Der Barchart-Konsens sieht ein Aufwärtspotenzial von rund 28 % auf 115 USD. Gemessen an der Bewertung preist der Markt eine Normalisierung der Einlagenbasis und einen stabilen Zinsüberschuss bereits ein — nicht mehr, nicht weniger.
Was Anleger beachten sollten
Die entscheidenden Kennzahlen sind diesmal nicht das EPS. Analysten richten den Fokus auf drei Bereiche: erstens den Net Interest Revenue, der bei 3,28 Mrd. USD liegen soll — jede Abweichung nach unten würde das Zinsmargen-Narrativ beschädigen. Zweitens die Total Client Assets, die der Konsens bei rund 12,4 Bio. USD sieht, gegenüber 10,76 Bio. USD im Vorjahr. Drittens die durchschnittlichen täglichen Trades (DATs) mit einer Erwartung von 9,84 Mio. — ein Maßstab dafür, wie aktiv die Retail-Kundschaft tatsächlich ist.
Schwab hat im ersten Quartal 2026 mit 1,43 USD EPS die Schätzung von 1,40 USD leicht übertroffen. Das Muster der kleinen Beats ist bekannt. Ob es diesmal reicht, hängt davon ab, ob die Einlagenstabilisierung wirklich so reibungslos verläuft wie eingepreist — und ob die Neugeldzuflüsse das Wachstumsnarrativ stützen. Ein reines Erfüllen des Konsens dürfte den Kurs kaum bewegen. Wer auf eine starke Reaktion nach oben setzt, braucht Überraschungen bei NIR oder Client Assets — nicht nur eine saubere EPS-Zeile.
