NVIDIA berichtet heute nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen. Der Markt erwartet einen Umsatz von rund 78,8 bis 79 Mrd. USD und einen Gewinn je Aktie von 1,78 USD. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal lag der EPS noch bei 0,61 USD. Das ist kein gradueller Anstieg — das ist eine andere Größenordnung.
Analystenerwartungen
Der Konsens ist eindeutig. Laut TipRanks empfehlen 42 Analysten die Aktie mit einem durchschnittlichen Kursziel von 281 USD als starken Kauf. Aktienfinder zählt sogar 58 Analysten mit einem Kursziel von 269,82 USD. Morningstar sieht den fairen Wert bei 260 USD und hält die Aktie für moderat unterbewertet. Acht Analysten haben in den vergangenen drei Tagen ihre Kaufempfehlungen bestätigt, Kursziele ab 240 USD aufwärts. Der Optionsmarkt preist eine Kursbewegung von rund 8,46 % ein — in beide Richtungen.
Bewertungskontext
NVIDIA ist mit einer Marktkapitalisierung von über 3 Billionen USD eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Forward-Schätzungen liegt je nach Quelle zwischen 35 und 40 — für einen Halbleiterhersteller historisch hoch, für ein Unternehmen mit diesem Umsatzwachstum aber zumindest diskutierbar. Die Aktie notiert nahe ihrer 52-Wochen-Hochs. Wer jetzt kauft, kauft auf Erwartung, nicht auf Bewertungsrabatt.
Was Anleger beachten sollten
Vier Punkte dominieren die Diskussion vor den Zahlen.
- Blackwell-Auslieferungen: Die neue KI-Chip-Generation ist der zentrale Kurstreiber. Investoren wollen konkrete Zahlen zum Ramp-up — nicht nur Nachfragebekundungen.
- Guidance: Das berichtete Quartal ist fast zweitrangig. Entscheidend ist, ob NVIDIA die Umsatz- und Margenprognose für das Folgequartal erneut anhebt. Boerse-Online schreibt, für eine starke Kursreaktion nach oben brauche es ein echtes „Blow-out-Quartal” inklusive überzeugender Guidance.
- China-Geschäft: Exportrestriktionen bleiben ein offener Risikofaktor. Wie hoch ist der Umsatzanteil, und was sagt das Management zu möglichen weiteren Einschränkungen? Diese Frage wird im Call nicht ausbleiben.
- Bruttomarge: Starkes Umsatzwachstum ist bekannt. Ob der Produktmix aus Blackwell-Systemen die Marge stützt oder drückt, ist weniger klar. Analysten schauen genau hin.
Ein Detail verdient Aufmerksamkeit, das in der Begeisterung leicht untergeht: In den vergangenen 90 Tagen haben acht Insider NVIDIA-Aktien verkauft — kein einziger hat gekauft. Insider-Verkäufe allein sind kein Warnsignal, sie folgen oft Vergütungsplänen. Aber null Käufe bei acht Verkäufen ist eine Beobachtung, die man zur Kenntnis nehmen sollte, wenn die Erwartungshaltung des Marktes so hoch ist wie heute.
