
Am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, legt Wells Fargo vor Börsenbeginn seine Zahlen für das dritte Quartal vor. Der EPS-Konsens liegt bei 1,85 USD — das ist weniger als die 1,96 USD, die die Bank im Vorquartal erzielte, als der Markt nur 1,73 USD erwartet hatte. Ein Beat ist also eingepreist, aber kein großer.
Analystenerwartungen
Die Konsensschätzung von 1,85 USD je Aktie steht im Kontext einer Jahres-EPS-Erwartung von rund 7,26 bis 7,28 USD für das laufende Geschäftsjahr. Beim Umsatz lieferte Wells Fargo zuletzt 22,62 Mrd. USD, gegenüber erwarteten 21,86 Mrd. USD — auch dort ein klarer Beat. Ob das Quartal ähnlich läuft, ist offen.
Der Analystenkonsens ist als „Moderate Buy” eingestuft. Von 27 Analysten bei StockAnalysis liegt das durchschnittliche Kursziel bei 99,02 USD. LSEG zufolge haben 18 von 26 Analysten eine Kauf- oder Starkauf-Empfehlung. Das klingt konstruktiv — ist es auch, solange man JPMorgans Kurszielsenkung auf 91,50 USD und Goldman Sachs’ Reduktion von 107 auf 96 USD nicht ignoriert. Barclays hält dagegen an einem Ziel von 108 USD fest.
Bewertungskontext
Das KGV von rund 11,65 ist für eine diversifizierte US-Großbank nicht günstig und nicht teuer — es ist moderat. Das bedeutet: Der Markt hat bereits eine gewisse Profitabilitätsverbesserung eingepreist. Morgan Stanley, das Wells Fargo am 5. Oktober auf Overweight hochgestuft und zum Top Pick mit Kursziel 102 USD erklärt hat, sieht einen Pfad zu einer Eigenkapitalrendite von 15,5 % im Jahr 2026, 17 % im zweiten Halbjahr 2027 und 18 % im Jahr 2028. Das ist eine These über mehrere Jahre — nicht über das nächste Quartal.
Die Aktie legte nach der Morgan-Stanley-Hochstufung im vorbörslichen Handel rund 2 % zu. Wer jetzt kauft, zahlt also bereits für einen Teil der guten Nachrichten.
Was Anleger beachten sollten
Der Nettozinsertrag ist die entscheidende Zeile. Wells Fargo profitiert von einem stabileren Zinsumfeld, aber die Einlagenkosten und die Nettozinsmarge bleiben unter Beobachtung. Anleger werden prüfen, ob die Bank aus bestehenden Kundenbeziehungen mehr herausholt, ohne die Kostenbasis proportional zu erhöhen.
Kreditqualität ist das zweite Thema. Ausfallraten bei Konsumentenkrediten und Gewerbeimmobilien stehen im Fokus — konkrete neue Rückstellungsprognosen für Q3 liegen noch nicht vor.
Das dritte, und vielleicht wichtigste Thema: Was sagt das Management zur Zeit nach dem Asset Cap? Die regulatorische Vermögensobergrenze ist gefallen. Wie schnell Wells Fargo Bilanzwachstum und Kapitalrückführung beschleunigt, dürfte die Kursreaktion stärker beeinflussen als ein EPS-Beat von wenigen Cent. Ein 1,85-USD-Ergebnis allein wird den Markt nicht bewegen — der Ausblick schon.
der aktien.live-Redaktion
Wells Fargo hat im Vorquartal 1,96 USD je Aktie verdient — der Konsens lag damals bei 1,73 USD. Jetzt erwartet der Markt 1,85 USD, also bereits einen spürbaren Beat. Das KGV von 11,65 ist moderat, signalisiert aber auch: Eine Profitabilitätssteigerung ist bereits eingepreist. Morgan Stanley sieht die Eigenkapitalrendite bis 2028 auf 18 % steigen — das ist eine Mehrjahres-These, keine Quartalsgeschichte. Ob der Kurs darauf reagiert, hängt fast ausschließlich am NII-Ausblick und den Signalen zum Wachstum nach dem Ende der regulatorischen Vermögensobergrenze.
Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.
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