Am 24. Juni nach US-Börsenschluss legt Micron Technology seine Quartalszahlen vor. Das Unternehmen ist seit Monaten einer der meistdiskutierten Halbleiterwerte überhaupt — getrieben von der Erwartung, dass KI-Infrastruktur den Speichermarkt strukturell verändert hat. Der Markt hat das bereits eingepreist. Jetzt muss Micron liefern.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt bei einem EPS von 19,15 USD für das Quartal. Das klingt hoch, ist aber Teil einer steil ansteigenden Gewinnkurve: Für das Gesamtjahr 2026 rechnen Analysten laut FactSet-Daten mit einem EPS von rund 58,61 USD, nach 8,29 USD im Geschäftsjahr 2025. Umsatzseitig dominiert die Erwartung stark steigender DRAM- und HBM-Erlöse, angetrieben durch Datacenter-Nachfrage der großen Hyperscaler. Das Analystenbild ist klar bullisch: 25 Strong Buy, 6 Buy, 5 Hold, 1 Sell.
UBS hat das Kursziel zuletzt auf 1.625 USD angehoben — weit über dem FactSet-Konsensziel von rund 684 USD. Das ist kein Tippfehler, sondern das bullischste öffentliche Kursziel auf dem Markt für einen Speicherhersteller. Wer so ein Ziel setzt, legt die Erwartungslatte für den gesamten Sektor mit hoch.
Bewertungskontext
Das TTM-EPS liegt bei 21,23 USD, das KGV damit bei rund 48. Auf Basis der 2026er-Schätzungen sinkt das Forward-KGV deutlich, was erklärt, warum viele Analysten trotz der Rally noch Potenzial sehen. Die Marktkapitalisierung überschreitet die Marke von einer Billion Euro. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten über 800 % zugelegt, allein im letzten Monat rund 87 %. Sie handelt damit über den Kurszielen der meisten Analysten — und über verschiedenen Fair-Value-Modellen.
Fünf Insider haben in den vergangenen 90 Tagen Aktien verkauft, kein einziger hat gekauft. Das ist kein Alarmsignal per se, aber es passt zum Bild einer Aktie, bei der die Bewertung keine Fehler verzeiht.
Was Anleger beachten sollten
Der Markt hat Micron mehrfach für positive Überraschungen belohnt. Das Problem: Nach einer Rally dieser Größenordnung reicht ein solides Quartal nicht mehr. Ein Inline-Ergebnis kann als Enttäuschung gewertet werden, wenn die Guidance nicht überzeugt.
Konkret werden Anleger auf folgende Punkte achten: Erstens die HBM-Kennzahlen — Umsatzanteil, Wachstum und Margen im KI-Speichersegment. HBM4 soll laut Management bereits bessere Ausbeute als HBM3E liefern, was margentreibend wäre. Zweitens die Langfristverträge. Micron hat kommuniziert, verstärkt auf mehrjährige Lieferverträge mit Mengenverpflichtungen zu setzen. Das erhöht die Planungssicherheit, begrenzt aber den Gewinnhebel, falls Speicherpreise weiter steigen — die Aktie fiel nach dieser Ankündigung vorbörslich um rund 7 %. Jede Präzisierung zu Preisformeln oder Indexierungsmechanismen in diesen Verträgen ist kursrelevant.
Drittens der Kapazitätsausblick: Die neuen Werke in Idaho und Taiwan liefern laut Management vor 2028 keine signifikante Zusatzkapazität. Das stützt kurzfristig die Knappheitsthese, begrenzt aber gleichzeitig die Fähigkeit, noch aggressiver von der Nachfrage zu profitieren. Und viertens — vielleicht am wichtigsten — die Guidance für das nächste Quartal und das Geschäftsjahr. Ohne einen klaren Raise dürfte die Reaktion verhalten ausfallen, egal wie gut die aktuellen Zahlen sind.
