Am 24. Juni nach US-Börsenschluss legt Micron Technology die Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten zum wohl meistdiskutierten KI-Speicherwert entwickelt — und genau das macht den Termin so heikel. Wenn die Erwartungen so weit vor den Zahlen laufen, reicht ein solides Quartal oft nicht mehr.
Analystenerwartungen
Microns eigene Guidance für Q3 FY2026 lautet: Non-GAAP-EPS 19,15 USD, Umsatz 33,5 Mrd. USD, Bruttomarge rund 81 %. Der Analystenkonsens liegt laut finanzen.net mit 20,57 USD EPS bereits spürbar darüber, einzelne Häuser nennen Umsatzziele bis 33,9 Mrd. USD. Zum Vergleich: Im Vorquartal Q2 FY2026 erzielte Micron 12,20 USD Non-GAAP-EPS bei 23,86 Mrd. USD Umsatz — und übertraf damit die damaligen Erwartungen von 8,79 USD EPS deutlich. Der Markt rechnet also erneut mit einem klaren Beat, nicht nur mit einer Bestätigung der Guidance.
Für die Folgequartale sind die Schätzungen noch aggressiver: Q4 FY2026 bei 25,00 USD EPS, Q1 FY2027 bei 27,91 USD, Q2 FY2027 bei 29,85 USD. Das ist eine sehr steile Rampe — und sie setzt voraus, dass die aktuellen Margen- und Preisniveaus kein Ausreißer sind.
Bewertungskontext
Micron notiert mit einem KGV von rund 53 und einer Marktkapitalisierung von etwa 1,2 Bio. USD. Der Kurs hat sich seit Jahresbeginn um rund 240 % entwickelt und liegt damit deutlich über sämtlichen gleitenden Durchschnitten. Susquehanna hob das Kursziel auf 1.750 USD an, UBS auf 1.625 USD — beide Ziele lagen zum Zeitpunkt der Anhebung weit über dem damaligen Konsenskursziel von rund 684 USD. FTSE Russell stufte Micron im Juni-Rebalancing von Value auf Growth um, was zusätzliches passives Kapital anzieht. Der RSI lag zuletzt bei 66, knapp unter der klassischen Überkauft-Zone.
Diese Bewertung basiert auf der Annahme, dass Bruttomargen um 80 % über mehrere Jahre haltbar sind — nicht nur für ein oder zwei Quartale.
Was Anleger beachten sollten
Der entscheidende Punkt ist nicht, ob Micron die Guidance trifft, sondern ob das Management sie anhebt und die Story zur Preismacht bestätigt. CEO Mehrotra hat zuletzt kommuniziert, dass die HBM-Produktion bis Ende 2026 vollständig vertraglich ausgebucht ist und globale Speicherkapazitäten nur etwa 60 % der Nachfrage decken. DRAM-Durchschnittspreise sollen im zweiten Kalenderquartal laut Susquehanna um 50 bis 60 % gegenüber dem Vorquartal gestiegen sein. Hält diese Knappheit, stützt das die Margen. Normalisiert sie sich früher als erwartet, ist die aktuelle Bewertung schwer zu rechtfertigen.
Auf der Produktseite hat Micron in Taipeh die HBM4-36GB-12H-Lösung vorgestellt, die den LLM-Durchsatz um das 2,6-Fache steigern soll, sowie die erste kommerzielle PCIe-Gen6-SSD. Der Markt will sehen, dass diese Produkte Umsatz generieren — nicht nur Aufmerksamkeit auf Messen.
Ein weiteres Thema ist der Wechsel zu mehrjährigen Lieferverträgen mit Mengenverpflichtung. Als Micron diesen Schritt kommunizierte, fiel die Aktie zeitweise rund 7 %. Die Logik: Langfristige Verträge sichern Planbarkeit in Knappheitsphasen, können aber in einem späteren, entspannteren Markt die Preisdynamik deckeln. Wie das Management diesen Punkt im Earnings-Call formuliert, dürfte kursrelevant sein.
Das Insider-Sentiment gibt wenig Orientierung: In den vergangenen 90 Tagen gab es null Käufe und vier Verkäufe. Das ist kein Alarmsignal, aber auch kein Vertrauensbeweis.
