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Q-Bericht
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EPS-Konsens 2,12 USD, KGV 112 — kann KEYTRUDA das rechtfertigen?

Der EPS-Konsens liegt bei 2,12 USD, doch das aktuelle KGV von rund 112 zeigt, wie viel Vertrauen der Markt in die Onkologie-Pipeline steckt — möglicherweise zu viel.

Überblick

Am 29. Oktober 2026 legt Merck & Co. vor US-Börsenbeginn seine Zahlen für das dritte Quartal vor. Der Termin kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie mit einem KGV von rund 112 bewertet ist — eine Zahl, die sich nur dann rechtfertigen lässt, wenn Merck glaubhaft zeigen kann, dass die Pipeline nach dem KEYTRUDA-Patentablauf trägt. Das ist die eigentliche Frage hinter den Quartalszahlen.

Analystenerwartungen

Der EPS-Konsens liegt bei 2,12 USD je Aktie. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal wies Merck wegen der Terns-Übernahme einen GAAP-Verlust von 0,54 USD aus, bereinigt um eine Sonderbelastung von 2,31 USD je Aktie. Der bereinigte Wert war also deutlich positiver — aber der Markt weiß das, und er rechnet trotzdem mit 2,12 USD für Q3. RBC Capital Markets hat seine 2026er EPS-Schätzung zuletzt um 0,21 USD auf 2,52 USD gesenkt und das Kursziel von 150 auf 145 USD reduziert. Goldman Sachs blieb bei „Buy”, senkte aber das Kursziel von 160 auf 155 USD mit Verweis auf höhere Ausgaben für Produkteinführungen und klinische Studien, die 2027 auf die Marge drücken.

Beim Umsatz orientieren sich Analysten an der Jahresprognose von 66,3 bis 67,3 Mrd. USD. Im zweiten Quartal wuchs der Konzernumsatz um 5 % auf 16,6 Mrd. USD, KEYTRUDA legte im gleichen Tempo zu. Ob dieses Wachstumstempo im dritten Quartal gehalten wurde, ist eine der zentralen Fragen des Berichtstags.

Bewertungskontext

Das TTM-EPS liegt bei 1,26 USD — daher das hohe KGV. Der Markt bewertet Merck also nicht auf Basis der aktuellen Gewinne, sondern auf Basis der Erwartung, dass bereinigte Ergebnisse und Pipeline-Erfolge die Bewertung langfristig untermauern. Das ist eine Wette, keine Tatsache. Wer die Aktie heute kauft, zahlt für eine Zukunft, die noch nicht eingepreist ist, aber eingepreist sein muss.

Was Anleger beachten sollten

Drei Punkte dürften den Kurs nach dem Bericht stärker bewegen als ein reiner EPS-Beat oder -Miss.

  • KEYTRUDA-Umsatz und neue Indikationen: Auf dem ESMO-Kongress 2026 präsentierte Merck Phase-3-Daten aus mehreren Onkologieprogrammen. Für bestimmte dMMR-Endometriumkarzinome wurde unter KEYTRUDA-Monotherapie eine Reduktion des Progressions- oder Sterberisikos um 43 % gemeldet. Solche Daten stützen die Argumentation, dass KEYTRUDA noch Wachstumspotenzial hat — aber sie ersetzen nicht die Umsatzzahlen.
  • Sacituzumab Tirumotecan: Die Phase-3-Studie beim fortgeschrittenen Endometriumkarzinom zeigte eine Reduktion des Sterberisikos um 32 % gegenüber Chemotherapie. Das ist ein konkreter Pipeline-Kandidat, der den KEYTRUDA-Nachfolge-Druck etwas abmildern könnte — wenn die Kommerzialisierung gelingt.
  • Patentstreit und China-Risiko: Ein niederländisches Gericht hat den Verkauf einer subkutanen KEYTRUDA-Formulierung in acht europäischen Märkten vorläufig gestoppt. Dazu kommen neue US-Beschränkungen für Kooperationen mit chinesischen Biotech-Unternehmen, die Mercks internationale Pipeline-Optionen einengen könnten. Beides ist noch nicht vollständig im Konsens eingepreist.

Der Ausblick für 2027 dürfte kursbewegender sein als die Q3-Zahlen selbst. Goldman Sachs und RBC haben ihre Schätzungen bereits gesenkt — wenn Merck den Ausblick bestätigt oder sogar anhebt, wäre das eine positive Überraschung. Wenn nicht, wird das KGV von 112 schwer zu verteidigen sein.

Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
— Team Sesselmann

Merck ist kein schlechtes Unternehmen — aber ein teures. Ein KGV von 112 lässt sich nur rechtfertigen, wenn die Pipeline nach dem KEYTRUDA-Patentablauf wirklich trägt. Die Onkologie-Daten sind solide: KEYTRUDA und Sacituzumab Tirumotecan liefern, der Konzernumsatz wuchs im zweiten Quartal auf 16,6 Mrd. USD. Doch ein niederländisches Gericht stoppt die subkutane KEYTRUDA-Variante in acht Märkten — dieses Risiko steckt kaum im Konsens.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

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