Applied Materials berichtet heute vor Marktöffnung die Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026. Der Halbleiterausrüster ist einer der wenigen Namen im Sektor, bei dem KI-Investitionen direkt auf die Auftragsbücher durchschlagen — über HBM-Speicher, Advanced Packaging und 3D-Chiplet-Stacking. Das macht den heutigen Bericht zu einem Stimmungstest für den gesamten Ausrüstungssektor.
Was Analysten erwarten
Der Konsens aus 27 bis 38 Analysten liegt beim EPS bei rund 2,66 USD (non-GAAP), was in der Mitte der unternehmenseigenen Guidance von 2,44 bis 2,84 USD liegt. Beim Umsatz rechnen Analysten mit etwa 7,68 Mrd. USD — ein sequentielles Plus von rund 9 % gegenüber dem Q1-Wert von 7,01 Mrd. USD. Die Bruttomarge wird bei circa 49,3 % erwartet. Der Gesamtkonsens ist klar bullisch: 27 Kaufempfehlungen stehen 6 Halteempfehlungen gegenüber, das durchschnittliche Kursziel liegt zwischen 423 und 440 USD.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnen Analysten mit einem EPS von rund 11,1 USD und einem Umsatz von etwa 28,8 Mrd. USD. Das setzt voraus, dass das Wachstum im Halbleiterausrüstungssegment tatsächlich über 20 % bleibt.
Bewertungskontext
Die Aktie notiert aktuell bei rund 435 USD und damit nahe dem oberen Ende der 52-Wochen-Spanne von 344 bis 436 USD. Das KGV liegt bei 45,45 — für einen zyklischen Ausrüster kein niedriger Wert. Das Aufwärtspotenzial zum durchschnittlichen Kursziel beträgt weniger als 5 %. Wer heute kauft, zahlt für eine Menge Wachstum im Voraus.
Was Anleger beachten sollten
Das Paradox des letzten Quartals ist noch frisch: Q1 2026 übertraf die EPS-Schätzung um 7,69 % (2,38 USD vs. 2,21 USD erwartet), der Umsatz lag bei 7,01 Mrd. USD — und die Aktie fiel trotzdem um knapp 3 %. Der Markt bestraft also nicht das Ergebnis, sondern die Guidance. Heute wird dasselbe Muster drohen, wenn die Q3-Prognose nicht überzeugend ausfällt.
Zwei Risiken bleiben konkret. Erstens: US-Exportrestriktionen gegenüber China. Das 252-Mio.-USD-Settlement vom Februar 2026 und reduzierte China-Ausgaben belasten das Segment Semiconductor Systems, das zuletzt 5,8 Mrd. USD beisteuerte. Zweitens: Das Insider-Bild. Acht Verkäufe in 90 Tagen, kein einziger Kauf — das ist kein Alarmsignal per se, aber es passt nicht zum Bild eines Managements, das die eigene Aktie für günstig hält.
Positiv: Die Dividendenanhebung auf 0,53 USD je Quartal signalisiert, dass das Unternehmen den Cashflow als stabil einschätzt. Der AGS-Bereich (After-Market Services) mit 1,6 Mrd. USD Umsatz liefert zudem eine gewisse Puffer-Funktion gegen zyklische Schwankungen im Neuanlagengeschäft.
