Salesforce berichtet am Mittwoch, den 27. Mai 2026, nach US-Börsenschluss. Der EPS-Konsens liegt bei 3,13 USD. Das klingt überschaubar — bis man sich ansieht, wie der Markt zuletzt auf Salesforce-Zahlen reagiert hat.
Was Analysten erwarten
Der Gewinn je Aktie soll bei 3,13 USD landen. Beim Umsatz orientiert sich der Markt an der eigenen Guidance des Unternehmens: Für das Gesamtjahr FY2026 hatte Salesforce zuletzt eine Spanne von 40,5 bis 40,9 Mrd. USD in Aussicht gestellt — ein Wert, der nach dem letzten Quartalsbericht für einen nachbörslichen Kursrückgang von rund 5 % gesorgt hatte, weil er die Erwartungen verfehlte. Seitdem hat das Unternehmen die Jahresprognose auf 41,0 bis 41,3 Mrd. USD angehoben. Der Markt wird prüfen, ob dieser Schritt substanziell ist oder nur kosmetisch.
Der Analystenkonsens ist breit positiv: 28 Strong Buy, 13 Buy, 12 Hold, 2 Sell. Das mittlere Kursziel liegt laut Marketscreener bei 263,22 USD, laut tradedesk.dk bei 265,01 USD. UBS bleibt mit einem Ziel von 185 USD deutlich darunter und hält neutral — ein Ausreißer, der zeigt, dass die Bewertungsdiskussion nicht abgeschlossen ist.
Bewertungskontext
Salesforce ist kein Schnäppchen. Die Aktie wird mit einem erhöhten KGV gehandelt, das die Erwartung anhaltend zweistelligen Wachstums einpreist. Das Unternehmen hat sein Aktienrückkaufprogramm zuletzt um 20 Mrd. USD auf insgesamt 50 Mrd. USD ausgeweitet — ein Signal, das Kapitalstärke zeigt, aber auch die Frage aufwirft, ob organisches Wachstum allein die Bewertung trägt. Parallel dazu steht eine geplante Übernahme von Informatica für rund 8 Mrd. USD im Raum, deren strategische Einordnung der Markt noch nicht vollständig verdaut hat.
Was Anleger beachten sollten
Der entscheidende Punkt ist nicht der EPS-Beat. Salesforce hat in der Vergangenheit oft die Gewinnschätzungen übertroffen und trotzdem nachgegeben, weil die Guidance enttäuschte. Diesmal stehen drei Fragen im Vordergrund: Erstens, ob die KI-Produkte unter dem Label Agentforce messbare Umsatzbeiträge liefern — oder ob es bei Ankündigungen bleibt. Zweitens, wie sich die operative Marge entwickelt, nachdem Salesforce zuletzt Kostendisziplin als Priorität kommuniziert hat. Drittens, ob die angekündigten Preiserhöhungen bei bestimmten Produkten bereits in der Guidance sichtbar werden.
Das Insider-Bild ist dabei kein Kaufsignal: In den vergangenen 90 Tagen gab es 0 Käufe und 8 Verkäufe. Das muss nicht viel bedeuten — Insider verkaufen aus vielen Gründen — aber es ist kein Zeichen, dass das Management die Aktie auf diesem Niveau für günstig hält. Wer auf einen Kurssprung nach den Zahlen setzt, braucht eine überzeugende Guidance, nicht nur solide Quartalszahlen.
