Am 19. Mai 2026 vor Handelsbeginn legt The Home Depot seine Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Das Timing ist nicht trivial: Das Frühjahrsquartal ist für den weltgrößten Baumarktbetreiber traditionell das umsatzstärkste des Jahres — Gartengeräte, Renovierungsprojekte, der erste warme Samstag im April. Wenn Home Depot hier schwächelt, ist das kein Ausrutscher, sondern ein Signal.
Was Analysten erwarten
Der EPS-Konsens liegt bei 3,59 USD. Das ist höher als ältere Vorab-Schätzungen, die noch um 3,41 USD lagen — eine leichte Aufwärtsrevision im Vorfeld. Beim Umsatz rechnet der Markt mit 41,6 bis 42,0 Mrd. USD für das Quartal, wobei 41,64 Mrd. USD als Ankerpunkt gilt. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal lag der Umsatz bei rund 36,4 Mrd. USD, allerdings inklusive des Beitrags aus der SRS Distribution-Übernahme, die die Vergleichbarkeit verzerrt.
Barclays hat zuletzt darauf hingewiesen, dass sowohl Home Depot als auch Lowe’s die Q1-Erwartungen übertreffen könnten. Gleichzeitig haben Truist Financial das Kursziel von 424 auf 394 USD und Wells Fargo von 420 auf 375 USD gesenkt — bei weiterhin positivem Rating. Das ist kein Widerspruch, den man glätten sollte: Die Analysten glauben an ein kurzfristiges Beat, trauen dem Unternehmen aber strukturell weniger zu als noch vor einigen Monaten.
Bewertungskontext
Die Aktie hat seit ihrem 52-Wochen-Hoch rund 30 Prozent verloren. Das KGV liegt aktuell im Bereich von 22 bis 24, was für einen Einzelhändler mit moderatem Wachstum nicht billig ist — aber auch nicht absurd, solange die Margen stabil bleiben. Die Marktkapitalisierung bewegt sich um die 330 Mrd. USD. Home Depot ist kein Wachstumswert, der mit Fantasie bewertet wird; hier zählen operative Kennzahlen.
Was Anleger beachten sollten
Der wichtigste Datenpunkt wird nicht das EPS sein, sondern die Comparable Sales — also das flächenbereinigte Umsatzwachstum. Die eigene Jahresprognose des Unternehmens liegt bei 0 bis +2 Prozent, was unter dem liegt, was der Markt sich erhofft hatte. Sollte das Management diesen Ausblick bestätigen oder gar senken, dürfte die Reaktion negativ ausfallen, unabhängig davon, ob das EPS den Konsens trifft.
Hinzu kommt das Zinsumfeld: Solange Hypothekenzinsen hoch bleiben, kaufen weniger Amerikaner Häuser — und wer nicht umzieht, renoviert seltener groß. Die Nachfrage nach hochpreisigen Projekten war zuletzt schwach, und es gibt keine belastbaren Anzeichen, dass sich das im Frühjahr 2026 geändert hat.
Das Insider-Bild ist auffällig: Acht Verkäufe in 90 Tagen, kein einziger Kauf. Das muss kein Alarmsignal sein — Insider verkaufen aus vielen Gründen. Aber es ist auch kein Vertrauensbeweis. Wer auf ein starkes Beat und eine Kursrally spekuliert, sollte das im Hinterkopf behalten.
