JPMorgan Chase berichtet am 14. Juli 2026 vor Marktöffnung seine Zahlen für das zweite Quartal. Der Zacks-Konsens liegt bei einem EPS von 5,52 USD, was einem Anstieg von rund 11 % gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Der erwartete Umsatz beträgt 48,7 Mrd. USD, ein Plus von 8,5 % gegenüber dem Vorjahr. Das klingt solide — bis man sich Q1 2026 anschaut: Damals meldete JPMorgan 5,94 USD EPS bei einem Umsatz von 50,54 Mrd. USD, jeweils deutlich über den Erwartungen. Der Markt geht also von einer Normalisierung aus, ohne dabei die Messlatte zu senken.
Analystenerwartungen im Detail
Neben dem Gesamt-EPS richten sich die Blicke vor allem auf drei Segmente. Im Investmentbanking erwartet der Konsens einen Umsatz von 3,07 Mrd. USD im CIB-Segment, ein Plus von 14,5 % gegenüber dem Vorjahr. Das Management selbst hat für Q2 ein IB-Gebühren-Wachstum von mindestens 10 % in Aussicht gestellt, wobei Underwriting-Fees rund 60 % der gesamten IB-Einnahmen ausmachen.
Im Bereich Markets und Trading sind die Erwartungen besonders hoch: Analysten rechnen mit Equity-Markets-Revenues von 3,9 Mrd. USD, ein Anstieg von 20 % gegenüber dem Vorjahr. Sektorbeobachter sprechen von einer potenziell zweitbesten Trading-Quartalsperformance des Jahrzehnts — eine Formulierung, die eher Druck aufbaut als beruhigt. Das Management selbst erwartet ein Plus von 11 % bei den Markets-Revenues.
Beim Net Interest Income hält JPMorgan an seiner Jahresprognose von rund 95 Mrd. USD NII exklusive Markets fest. Jede Abweichung von dieser Zahl, ob nach oben oder unten, dürfte die stärkste unmittelbare Kursreaktion auslösen. Schwächer als erwartet läuft dagegen das Mortgage-Geschäft: Der Konsens für Mortgage Fees liegt bei rund 329,5 Mio. USD, was einem Rückgang von 9,2 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Bewertungskontext
Das Trailing-KGV liegt bei rund 16,1, basierend auf einem TTM-EPS von etwa 20,89 USD. Das ist für eine Großbank nicht günstig, aber auch nicht überzogen — zumal JPMorgan seit sechs Quartalen in Folge zweistelliges EPS-Wachstum liefert. Der Analystenkonsens lautet mehrheitlich Kaufen, mit einem durchschnittlichen Kursziel um 195 USD. Die Verteilung zeigt 8 Strong Buy, 7 Buy, 9 Hold und 1 Sell — ein positives, aber nicht euphorisches Bild.
Was Anleger beachten sollten
Das zentrale Risiko ist nicht ein schwaches Quartal, sondern ein gutes Quartal, das die hohen Erwartungen nur knapp verfehlt. Wer nach Q1 2026 auf Wiederholung gesetzt hat, könnte enttäuscht werden — nicht weil JPMorgan schlecht läuft, sondern weil der Markt inzwischen sehr viel eingepreist hat. Besonders kritisch: Sollte die NII-Guidance für das Gesamtjahr nicht bestätigt oder gar gesenkt werden, dürfte das die Kursreaktion dominieren, unabhängig davon, wie stark Trading und IB abschneiden. Auf der Risikoseite stehen außerdem die Kreditqualität im Consumer-Bereich und mögliche Rückstellungserhöhungen, die das Bild trüben könnten. Zwei Insider-Verkäufe in den vergangenen 90 Tagen ohne einen einzigen Kauf sind kein Alarmsignal, aber auch kein Vertrauensbeweis. Anleger sollten zudem auf den Ton des Managements zur zweiten Jahreshälfte achten: Geopolitische Risiken und eine vorsichtige Zentralbankpolitik könnten den Ausblick dämpfen, selbst wenn die Q2-Zahlen überzeugen.
