Adobe berichtet heute nach US-Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026. Der Zeitpunkt ist unruhiger als gewöhnlich: Der angekündigte Abgang von CEO Shantanu Narayen nach 18 Jahren hat die Aktie bereits nachbörslich belastet, und mehrere Analysehäuser haben ihre Kursziele in den vergangenen Wochen gesenkt. Wer heute Abend auf eine reine Zahlen-Story hofft, wird feststellen, dass die Führungsfrage mindestens genauso laut im Raum steht.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt beim EPS bei 5,83 USD, was gegenüber dem Vorjahresquartal einen weiteren zweistelligen Gewinnanstieg bedeuten würde. Beim Umsatz rechnet der Markt mit rund 6,45 Mrd. USD — Adobe selbst hatte eine Guidance-Bandbreite von 6,43 bis 6,48 Mrd. USD kommuniziert. Für die Folgekvartale erwartet der Street laut TIKR ein EPS von 5,77 USD in Q3 und 5,91 USD in Q4, was auf stabile, aber nicht beschleunigte Gewinnerwartungen hindeutet.
Unter den rund 39 beobachtenden Analysten überwiegen Buy- und Outperform-Einstufungen, das mittlere Kursziel liegt bei etwa 327 bis 329 USD. Das klingt konstruktiv — aber die Zahl der Kursziel-Senkungen der letzten Wochen zeigt, dass die Stimmung vorsichtiger geworden ist, ohne dass die formalen Ratings das vollständig abbilden.
Bewertungskontext
Adobe wird aktuell mit einem KGV von rund 25 bis 27 auf Basis der Konsensschätzungen für das laufende Geschäftsjahr gehandelt — für ein Unternehmen mit hoher Abo-Basis und stabilen Margen keine Überbewertung, aber auch kein Schnäppchen. Das 25-Mrd.-USD-Aktienrückkaufprogramm stützt das EPS-Wachstum rechnerisch, ersetzt aber kein organisches Umsatzwachstum. Die Aktie notiert deutlich unter ihren 52-Wochen-Hochs, was den Erwartungsdruck für heute Abend etwas dämpft — schlechte Nachrichten sind zum Teil bereits eingepreist.
Was Anleger beachten sollten
Der entscheidende Datenpunkt ist nicht das EPS, sondern die Entwicklung des wiederkehrenden Umsatzes (ARR) und ob Adobe konkret benennen kann, welche KI-Funktionen — Firefly, generative Fill, KI-gestützte Video-Tools — bereits zu messbarem Umsatzwachstum beitragen. Bisher ist die KI-Story bei Adobe vor allem eine Produktstory, keine Umsatzstory. Wenn das Management heute Abend keine konkreten ARR-Zahlen oder Monetarisierungs-Metriken liefert, wird der Markt das als Antwort werten.
Hinzu kommt der Wettbewerbsdruck: KI-native Kreativtools greifen Adobes Kernmarkt an, und die Frage, wie das Unternehmen ohne seinen langjährigen CEO die Produktstrategie kommuniziert, ist offen. Drei Insider-Verkäufe ohne einen einzigen Kauf in den letzten 90 Tagen sind kein Alarmsignal für sich allein — aber sie passen ins Bild einer Führungsebene, die gerade eher Kasse macht als Vertrauen signalisiert.
