Micron Technology berichtet am 24. Juni nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen. Der Zeitpunkt ist heikel: Die Aktie notiert nahe ihrem 52-Wochen-Hoch von rund 1.089 USD, die Marktkapitalisierung hat erstmals die Marke von 1,2 Billionen USD geknackt, und mehrere Analysehäuser haben ihre Kursziele in den vergangenen Wochen teils verdoppelt. Morgan Stanley hob sein Ziel von 520 auf 1.050 USD an, Susquehanna steht bei 1.750 USD. Wer so hoch ansetzt, braucht starke Zahlen — und noch stärkere Worte zum Ausblick.
Analystenerwartungen
Der EPS-Konsens liegt je nach Datenbasis zwischen 19,15 und 20,76 USD für das abgelaufene Quartal. Das entspricht einem Wachstum von über 1.100 % gegenüber dem Vorjahreswert von 1,68 USD. Beim Umsatz rechnen Analysten mit 34,4 bis 35,8 Mrd. USD, nach 9,3 Mrd. USD im Vorjahresquartal — ein Plus von rund 270 bis 285 %. Zum Vergleich: Im vorangegangenen Quartal lieferte Micron 23,86 Mrd. USD Umsatz bei einer Bruttomarge von 74 % und einem EPS von 12,20 USD, während der Konsens damals bei 8,79 USD lag. Die Latte liegt diesmal deutlich höher, und ein bloßes „Beat” reicht dem Markt wahrscheinlich nicht.
Für das Gesamtjahr liegt der Konsens beim EPS zwischen 59 und 63 USD, beim Umsatz zwischen 109 und 114 Mrd. USD. Morgan Stanley hat seinen 2027er-EPS-Ausblick zuletzt um 48 % angehoben, einzelne Analysten sehen das EPS 2027 bei bis zu 150 USD. Das sind Zahlen, die viel Spielraum für Enttäuschung lassen.
Bewertungskontext
Bei einem Kurs nahe 1.080 USD und einem FY-EPS-Konsens von rund 61 USD ergibt sich ein Forward-KGV von etwa 18. Das klingt moderat für einen Halbleiter-Wachstumswert — bis man bedenkt, dass diese Schätzungen auf einem anhaltenden KI-Speicher-Superzyklus beruhen, der laut CEO Sanjay Mehrotra bis 2028 dauern soll. 31 von 31 Analysten bei TipRanks empfehlen die Aktie zum Kauf oder Halten, kein einziges Sell-Rating. Wenn der Konsens so eindeutig ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Auffällig: Im Insider-Sentiment der vergangenen 90 Tage stehen null Käufe drei Verkäufen gegenüber. Das ist kein Alarmsignal, aber es passt nicht ganz zum Bild einer Aktie, bei der das Management selbst von der Unterbewertung überzeugt wäre.
Was Anleger beachten sollten
Das zentrale Thema ist High-Bandwidth Memory. Microns HBM-Produktion ist laut Management bis Ende 2026 vollständig ausgebucht, die Knappheit könnte bis 2028 anhalten. Auf der Technologiemesse in Taipeh hat das Unternehmen neue Produkte vorgestellt — PCIe-Gen6-SSD, ein 256-GB-Modul und HBM4. Der Markt wird wissen wollen, wann diese Produkte in Volumen liefern und welche Margen sie tragen.
Gleichzeitig hat Micron begonnen, Kunden über mehrjährige Lieferverträge mit Mengenverpflichtungen zu binden. Die Aktie reagierte darauf vorbörslich mit einem Minus von rund 7 %. Die Logik dahinter ist verständlich — stabile Planung in einem knappen Markt — doch Investoren fragen sich, ob diese Verträge die Preiselastizität nach oben begrenzen, sobald der Zyklus dreht.
Entscheidend für die Kursreaktion am Berichtstag wird die Guidance sein: Bestätigt oder erhöht Micron seine Jahresprognose, und wie formuliert das Management die Aussichten für 2027? Ein starker Beat beim EPS ohne überzeugenden Ausblick dürfte bei dieser Bewertung nicht reichen. Umgekehrt könnte eine klare Anhebung der Guidance die Rally weiter tragen — zumindest solange niemand ernsthaft an der Dauer des KI-Speicherzyklus zweifelt.
