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Marktbericht
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Europa Metals +2971 % in 13 Wochen, Southern Copper -2,78 % in vier — wer hat hier die bessere Substanz?

Europa Metals legt in 13 Wochen fast 3000 % zu, hat aber eine Marktkapitalisierung von null und ein negatives EV/EBITDA. Southern Copper verliert kurzfristig, kostet aber weniger als der Sektor-Median. Zwei Welten, eine Frage.

Europa Metals +2971 % in 13 Wochen, Southern Copper -2,78 % in vier — wer hat hier die bessere Substanz?
Foto: Pixabay

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen auf einem Flohmarkt eine alte Waage. Eine Seite trägt einen massiven Kupferblock, die andere ein Blatt Papier mit der Aufschrift „+2971 %”. Welche Seite wiegt mehr? An der Börse ist das keine triviale Frage — und im Grundstoffsektor zeigt sich diese Woche genau dieses Bild.

Was gerade in Deutschland passiert

Die deutsche Wirtschaft wächst im Analysezeitraum mit 0,24 % — das ist kein Aufschwung, aber auch kein Einbruch. Interessanter ist der Blick auf die Industrieproduktion: Sie liegt im Jahresvergleich 25,2 % höher. Das ist ein starker Wert, der für den Grundstoffsektor direkt relevant ist. Mehr Industrieproduktion bedeutet mehr Nachfrage nach Kupfer, Spezialchemikalien und Basismetallen. Die Inflation liegt bei 2,17 % — nah am EZB-Ziel, also kein akutes Preisproblem. Die Arbeitslosenquote von 3,8 % zeigt einen stabilen Arbeitsmarkt. Insgesamt: ein solides, wenn auch nicht dynamisches Umfeld für Grundstoffwerte.

Der Ölpreis war in dieser Woche das dominierende Marktthema. Brent pendelte um 102 US-Dollar je Barrel — ein Niveau, das energieintensive Grundstoffproduzenten direkt belastet, weil ihre Produktionskosten steigen. Der DAX verlor auf Wochensicht 1,83 %, erholte sich am Freitag leicht, als der Ölpreis nachgab.

Sektorperformance: Starke Relativstärke, aber mit Vorbehalt

Der Grundstoffsektor zeigt eine relative Stärke von 77,18 Prozentpunkten gegenüber dem DAX — das bedeutet: Der Sektor hat sich in den vergangenen Wochen deutlich besser entwickelt als der deutsche Leitindex. Das durchschnittliche Momentum im Sektor liegt bei 75,83 %. Das klingt beeindruckend. Aber hier kommt der Vorbehalt: Dieses Momentum wird maßgeblich durch extreme Ausreißer bei Kleinstwerten verzerrt. Wenn ein Nebenwert mit Marktkapitalisierung null in vier Wochen 100 % oder in 13 Wochen fast 3000 % zulegt, zieht das den Durchschnitt nach oben — ohne dass dahinter breite Sektordynamik steckt. Ich rate Ihnen, diese Zahl mit Vorsicht zu lesen.

Blue Chips: Southern Copper und Givaudan

Southern Copper Corporation (Ticker: PCU) ist einer der weltgrößten Kupferproduzenten, tätig vor allem in Mexiko und Peru. Das Unternehmen verdient sein Geld direkt mit dem Kupferpreis — steigt der, steigen die Margen, fällt er, spürt man das sofort in der Gewinn-und-Verlustrechnung.

Kurzfristig hat Southern Copper in vier Wochen 2,78 % verloren. Über 13 Wochen steht ein Plus von 2,41 %. Das ist kein Momentum-Wert, aber auch kein Alarmsignal. Interessanter ist die Bewertung: Das KGV — also wie viele Jahre Gewinn man für den Aktienkurs bezahlt — liegt bei 30,4. Der Sektor-Median liegt bei 32,6. Southern Copper ist damit leicht günstiger als der Durchschnitt seiner Branche. Das EV/EBITDA — ein Maß dafür, wie teuer ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist — liegt bei 17,1, exakt am Sektor-Median. Kein Schnäppchen, aber keine Überbewertung. Der Gewinn je Aktie liegt bei 5,82 US-Dollar. Zu EPS-Revisionen — also ob Analysten ihre Gewinnschätzungen nach oben oder unten angepasst haben — liegen mir keine Daten vor. Das ist eine Lücke, die ich nicht schönreden möchte.

Givaudan (Ticker: GIN1) ist ein Schweizer Spezialchemiekonzern, der Aromen und Duftstoffe für die Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie herstellt. Das Geschäftsmodell ist defensiver als bei einem reinen Rohstoffproduzenten — Givaudan verkauft Wissen und Formulierungen, nicht nur Tonnen.

In vier Wochen hat Givaudan 3,52 % zugelegt, über 13 Wochen liegt ein Minus von 1,6 % vor. Das KGV liegt bei 32,6 — exakt am Sektor-Median. Das EV/EBITDA liegt bei 21,8, während der Sektor-Median bei 17,1 liegt. Givaudan kostet also rund 27 % mehr als der Sektordurchschnitt, gemessen an diesem Verhältnis. Das kann gerechtfertigt sein, wenn das Geschäftsmodell stabiler und margenreicher ist als bei Rohstoffproduzenten. Ob das aktuell der Fall ist, lässt sich ohne Umsatzwachstumsdaten und EPS-Revisionen nicht abschließend beurteilen. Ich sehe hier eine Prämie, die ich erst dann als gerechtfertigt einordne, wenn die Fundamentaldaten vollständiger vorliegen.

Nebenwerte: Zwei Fälle, bei denen ich ehrlich sein muss

Voltage Metals Corp. (Ticker: 8L10) hat in vier Wochen 100 % zugelegt. In 13 Wochen: 0 %. Die Marktkapitalisierung liegt bei null — das ist kein Tippfehler, sondern ein Hinweis darauf, dass dieses Unternehmen so klein ist, dass es in keiner seriösen Größenklasse auftaucht. Ein KGV gibt es nicht. Das EV/EBITDA liegt bei 1,86, während der Sektor-Median bei 17,1 liegt — auf den ersten Blick extrem günstig. Aber ein niedriges EV/EBITDA bei einem Unternehmen ohne messbare Marktkapitalisierung und ohne KGV bedeutet meist: Es gibt kaum Gewinn, kaum Umsatz, kaum Substanz. Ich kann hier keine belastbare These aufstellen. Wer in solche Werte investiert, spekuliert — das ist legitim, aber es ist keine Anlage im klassischen Sinne.

Europa Metals Ltd. (Ticker: WRE1) ist der extremste Fall dieser Woche. ROC vier Wochen: 1691,67 %. ROC 13 Wochen: 2971,43 %. Marktkapitalisierung: null. EV/EBITDA: -0,68 — ein negativer Wert bedeutet, dass das Unternehmen operativ Verluste schreibt. Kein KGV, keine Umsatzdaten, keine Gewinnschätzungen. Was hinter diesem Kursanstieg steckt, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht erklären. Solche Bewegungen entstehen manchmal durch Meldungen über Explorationsfunde oder Übernahmeinteresse — manchmal auch durch dünne Handelsumsätze, bei denen wenige Käufe den Kurs stark bewegen. Ich rate Ihnen, diese Zahl zur Kenntnis zu nehmen, aber keine Anlageentscheidung darauf zu stützen.

Sentiment: Keine Signale, aber eine Beobachtung

Für diese Woche liegen mir keine Sentiment-Daten vor — weder für einzelne Titel noch für den Sektor insgesamt. Das bedeutet: Ich kann keine Divergenz zwischen Kursbewegung und Marktstimmung identifizieren. Was ich stattdessen beobachte: Der Ölpreis über 100 Dollar je Barrel belastet energieintensive Produzenten direkt, während der DAX auf diesen Faktor sensibel reagiert. Wer Grundstoffwerte hält, sollte den Ölpreis in den nächsten Wochen als Frühindikator im Blick behalten.

Fazit: Substanz vor Spektakel

Diese Woche zeigt den Grundstoffsektor von zwei Seiten. Auf der einen Seite: solide Blue Chips wie Southern Copper, die leicht unter dem Sektor-Median bewertet sind und von einer starken deutschen Industrieproduktion profitieren könnten. Auf der anderen Seite: Nebenwerte mit dreistelligen bis vierstelligen Kursgewinnen, hinter denen keine messbare Substanz steht.

Meine Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf Southern Copper als den Wert mit der klarsten Datenbasis und der moderatesten Bewertung in diesem Sektor. Beobachten Sie dabei den Kupferpreis und den Ölpreis — beide bestimmen die Marge direkt. Givaudan ist interessant, aber die Bewertungsprämie beim EV/EBITDA braucht eine Rechtfertigung durch Wachstumsdaten, die aktuell fehlen. Die Nebenwerte lasse ich außen vor — nicht weil die Zahlen uninteressant sind, sondern weil Zahlen ohne Substanz keine Grundlage für eine ruhige Entscheidung sind. Und ruhige Entscheidungen sind das, was auf Dauer trägt.

Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
— Team Sesselmann

Der Grundstoffsektor schlägt den DAX derzeit deutlich. Doch die relative Stärke von 77,18 ist trügerisch — Kleinstwert-Ausreißer wie Europa Metals verzerren den Sektordurchschnitt massiv. Substanz findet sich bei Southern Copper: KGV 30,4 liegt leicht unter dem Sektor-Median. Die deutsche Industrieproduktion von +25 % im Jahresvergleich stützt die Kupfernachfrage strukturell. Givaudans EV/EBITDA-Prämie von rund 27 % über dem Sektor bleibt vorerst ohne Datenrückhalt.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

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